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Spontane Vielfalt

Das Berliner Jahresendzeitteam mit einem Metro-Jubiläumsprogramm Spontane Vielfalt

Mehr als 3000 Zuschauer besuchten die Veranstaltungen der Geburtstagswoche des Metro-Kinos im Schloßhof. Proppenvoll war der Saal auch beim Ausklang mit dem einmaligen Jubiläumsprogramm des kabarettistischen Berliner Jahresendzeitteams, dessen satirischer Jahresrückblick im Januar längst fester Bestandteil des Kieler Kulturlebens geworden ist.

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Ein bunter Künstlerhaufen in Aktion: Manfred Maurenbrecher, Christoph („Angela“) Jungmann, Hannes Heesch, Horst Evers und Bov Bjerg vom Jahresendzeitteam.

Quelle: bos: Björn Schaller

Kiel. Christoph Jungmann, der gewohnt flapsig und hochkomisch als Angela Merkel durch den Abend führt, der knurrige Liedermacher Manfred Maurenbrecher am Klavier, die fleischgewordene Verwirrung Horst Evers, Bov Bjerg, der mit literarischen Antennen den Puls der Zeit misst, und Polit-Parodist Hannes Heesch nehmen im ersten Song den bereitwillig gläsernen Bürger ins Visier: „Nur wer sich durchschauen lässt, wird auch geliebt“ und „Seine Mails zu verschlüsseln, ist schon ein Terrorakt“ heißt es da.

 „Zehn Jahre Metro – wieder so ein heikles Erinnerungsdatum“, schwafelt Heesch als Joachim Gauck anschließend, immerhin seien darin aber auch „fünf Jahre Bundespräsidialamt in Frieden und Freiheit“ enthalten. Als Horst Seehofer faselt er später „die liebe Angela“ direkt von der Bühne. „Die Welt ist am Durchdrehen“ konstatiert Manfred Maurenbrecher mit kraftvollem Tastenschlag und vertont auch meisterhaft das großkotzige Gebaren deutscher Urlauber in den „Kolonien“.

 Horst Evers` widmet sich dem Abkürzungswahn junger Menschen, so könne man heutzutage Nachrichten mit „SAU“ beenden, denn das stünde für „Seid alle umarmt“. Sehr amüsant ist auch sein peinliches Erlebnis beim Kauf von Mädchenunterhosen – er muss Fotos von ihnen machen und an seine Tochter schicken, damit sie am Smartphone zuhause die richtige auswählen kann. Bov Bjerg hält in Uniform einen sarkastischen Vortrag zum Thema „Drohnen“ – das Wort sei durch Assoziationen mit „drohen“ und „dröhnen“ „semantisch kontaminiert“, er empfehle ein „Re-Branding“ zu „Willis“, weil es sich bei Drohnen ja um Bienen handle.

 Glanzpunkte im Programm dieses bunten Künstlerhaufens sind die spontanen Szenen. So halten Merkel (Jungmann) und Seehofer (Heesch) aus dem Stegreif Reden zum, vom Publikum gewählten, Thema „Die CDU in Bayern“, bei dem Seehofer der Brückenschlag nach Schleswig-Holstein „mit seinen herrlichen Bergen und Tälern“ gelingt.

 Das Publikum wählt auch das kürzlich aktuelle Thema „Lebensmittelvorrat“, das vom Jahresendzeitteam innerhalb weniger Minuten zu einem Song verwurstet wird. Großartig, wie auch die beiden weiteren Vorschläge „Rendsburger Kanaltunnel“ und „Klimawandel, Karibik in Kiel – die ersten Delfine sind schon da“ integriert werden („Doch in Kiel verzieht man keine Mienen und stapelt Dosen mit Fleisch von Delfinen“).

 Der abwechslungsreiche Abend endet mit einer herrlichen Adaption von Xavier Naidoos „Dieser Weg“ zum Kita-Streik in Berlin: „Dies Gespräch wird kein leichtes sein“ (mit Eltern, die behaupten, der „Tristan“ würde Windeln tragen müssen, weil die Köchin das falsche Salz verwendet).

 Im Januar 2017 ist das Jahresendzeitteam wieder zum Rückblick an drei Abenden im Metro zu Gast, ein Besuch ist dringend empfohlen.

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