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Relativ leiser Lärm

Tonträger Relativ leiser Lärm

Sie machen schon ein halbes Leben gemeinsam Musik, die vier Berliner Jungs der Rock’n’Roll-Kabarett-Kapelle Tonträger. Jetzt proben sie für Ihr Konzert am Sonnabend im Lutterbeker.

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Probenarbeit im Lutterbeker: Die vier Jungs von Tonträger sind gut eingespielt.

Quelle: Foto: Frank Peter

Lutterbek.  „Wir sind zusammen zur Schule gegangen“, erzählt Johannes Wolff, Klavierspieler und Frontsänger. Entsprechend gut kennen sich Wolff, Jonathan Richter (Bass und ebenfalls Frontsänger), Lennart Schilfgen (Gitarre) und Daniel Bombei (Drums): „Dadurch haben wir viele Möglichkeiten uns auf der Bühne die Bälle zuzuspielen.“ Momentan probt die Truppe von morgens bis Mitternacht im Lutterbeker für die Vorpremiere ihres neuen Programms Leiser Lärm am kommenden Sonnabend.

 Leiser Lärm ist so etwas wie die Berufsumschreibung, der vom „Tagesspiegel“ als „Berliner Wundertüten-Combo“ gelobten Band. Bei einem Konzert, das wegen drohender nachbarschaftlicher Ruhestörung leiser als üblich und mit Sitzpublikum gespielt werden musste, entdeckte man, dass diese Form ganz hervorragend zu den immer schon kabarettistisch-ironischen deutschen Texten passte. Lennart Schilfgen, der in erster Linie fürs Texten und Komponieren zuständig ist, erzählt: „Es gab mehr Lacher und überhaupt mehr Resonanz als sonst.“ Also blieb man bei dem Format.

 Das erste Programm speiste sich aus den Songs der drei ersten Alben der Band, mit „lauten“ wie „leisen“ Liedern. Wobei leise durchaus relativ zu verstehen sei: „Wir sind schon noch eine Rockband, aber wir spielen nicht mehr so, dass einem die Ohren bluten!“, frotzelt Jonathan Richter. Künstlerkollegen wie der Klavierkabarettist Bodo Wartke, der Wort-Musik-Künstler und Poetry Slammer Sebastian Krämer, aber auch Altmeister Ulrich Roski dienten Tonträger anfangs als Inspirationsquellen. Und natürlich die Platten der Eltern: Beatles, Bob Dylan, überhaupt Musik aus den 1950er bis 70er-Jahren.

 Mit den musikalischen Genres spielen sie ganz bewusst, von Country bis zur Indie-Schnulzen-Parodie. „Wir bedienen uns bei vielen Stilen“, sagt Drummer Daniel Bombei. „Aber es bleibt nicht beim Zitat, sondern wir führen ihn dann auf unsere Weise aus“, ergänzt Jonathan Richter. Inhaltlich schielt man nicht nach einem Oberthema, bastelt aber am Spannungsbogen. „Unser Leben in verschiedenen Ausformungen, natürlich Liebeslieder, aber auch die Unentschlossenheit angesichts von immer mehr Möglichkeiten“, umreißt Lennart Schilfgen die Bandbreite. Wichtig sei, dass der Blick darauf „ein gebrochener“ sei. Extra Bühnenrollen spielen die vier übrigens nicht. Johannes Wolff: „Aber man lernt uns schon ein bisschen kennen.“

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Ein Artikel von
Beate Jänicke

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