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Musikalischer Weg mit unbekanntem Ziel

Clara Haberkamp Trio im Kieler Kulturforum Musikalischer Weg mit unbekanntem Ziel

„Das ist hier wirklich ein wunderbares Konzert“, konstatiert Clara Haberkamp überraschend selbstbewusst zur Eröffnung ihres ersten Auftritts im Kieler Kulturforum – und korrigiert sich dann schnell: „Ich meinte natürlich, dass das hier ein wunderbarer Konzertsaal ist.“

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Akademisch beansprucht: Clara Haberkamp.

Quelle: Stefanie Marcus/hfr

Kiel. Ihren mutmaßlich von der eigenen Hoffnung auf einen runden Abend getragenen Ansagen-Versprecher erklärt sich die Pianistin mit massiver akademischer Beanspruchung in der letzten Zeit. Gerade hat die in der Fachwelt bereits vielfach gepriesene Mittzwanzigerin ihren Hochschulabschluss hinter sich gebracht und widmet sich mit ihrem Trio nun der Präsentation ihrer gestern erschienen CD Orange Blossom.

 Die stilistische Vielfalt, die die Trägerin des Fördepreises von Jazz Baltica in den vergangenen Jahren auf den vorhergegangenen Alben bewiesen hat, zeigt sich darauf wie auch im Konzert komprimiert. Während der ersten Takte des Openers könnte man noch auf den Gedanken kommen, hier vergleichsweise leicht zugänglichen Mainstream-Jazz zu hören. Doch dann nehmen die beunruhigenderen Untertöne in Haberkamps Klavierspiel zu und Dan Peter Sundland setzt zum ersten E-Bass-Solo an. Freigestellt bounct und rumpelt das Instrument vor sich hin, wirkt funky, noisy und ein bisschen kurios. Diesen Eindruck unterstreicht der norwegische Musiker noch dadurch, dass er seinen Alleingang durch an die Tonfolgen angelehntes Gebrabbel begleitet. Dann steigen Haberkamp und Drummer Tilo Weber wieder ein, die Sache wird lyrischer und als Zuhörer hat man nach fünf Minuten Musik schon ziemlich viel erlebt.

 Die Dichte der Eindrücke nimmt im Verlauf des Auftritts kontinuierlich zu. Denn das Clara Haberkamp Trio verbindet in den Kompositionen seiner Namensgeberin nicht nur zwanglos Melodie und Freiheit. Zusätzlich zeigt sich die Pianistin immer wieder auch als Sängerin, die sich mit unschuldig-klarer Stimme mehr im klassischen Songwritertum als im Jazzgesang verortet. Im Gesamtergebnis entsteht auf diese Weise eine Musik von spröder Schönheit, die nicht leicht zu fassen ist. Momenthaft kommt hier alles homogen zusammen, dann wieder wirken die Stücke kernlos und verlieren sich ins Ungefähre, so wie sich auch Haberkamps oft im melodischen Sprechgesang vorgetragene Texte auf dem schmalen Grat zwischen poetischer Wahrhaftigkeit und „Liebes-Tagebuch“-Naivität bewegen. Das Publikum nimmt all dies willig an und bekommt von der Musikerin schließlich zwar nicht das Prädikat „wunderbar“, aber immerhin „sehr freundlich“ verliehen. Warmer Applaus für die lohnende Begegnung mit einer Hochbegabten, die sich auf einen interessanten musikalischen Weg gemacht hat, dessen Ziel sich wohl erst noch herausstellen wird.

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