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Altes Eisen neu im Fluss

Eisenkunstgussmuseum Büdelsdorf Altes Eisen neu im Fluss

Das Eisenkunstgussmuseum in Büdelsdorf bekommt ab dem Wochenende nach fünfjähriger Schließung die Chance, zum neuen Anziehungspunkt zu werden. "Das Eisen ist nicht länger stumm!" nennen die Landesmuseen Schleswig-Holstein ihren zusätzlichen Standort und verweisen damit auf die moderne Präsentation der sehenswerten Schau gegenüber der Carlshütte.

Büdelsdorf Ahlmannallee 5 54.313774 9.667735
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Die Museumsleiterin Ulrike Ernemann des Eisenkunstgussmuseums Büdelsdorf mit gusseisernen Ehrenbüsten. Im Hintergrund werden preußische Neujahrsplaketten unter die Lupe genommen.

Quelle: Marco Ehrhardt

Büdelsdorf. Filigran verzierte Bolleröfen, prachtvolles Verandagestühl, schön durchbrochene Schalen und Teller, preußische Neujahrsplaketten, röhrende Hirsche, imposante Porträtbüsten von Schiller und dem Alten Fritz, stilisierte Jagdtrophäen, antikisierende Reliefplatten – Kunst und Kitsch sind keine Grenzen gesetzt, wenn in vergangenen Zeiten, vor allem aber im 19. Jahrhundert Gusseisen in Form gebracht wurde. Der erkaltet spröde Werkstoff hat in seinem mattglänzenden Schwarz tatsächlich seinen ganz besonderen Reiz.

 In Büdelsdorf, gegenüber der Carlshütte, erlebt man ihn jetzt wieder haptisch und in zeitgemäßer, fast futuristischer Präsentation. In Schau kann man Material testen, freistehende Exponate umrunden, Feingegossenes durch riesige Lupen betrachten und mit einem „Medienguide“ als Computer-Tablet in der Hand interaktiv auch Filme und weiterführende Informationen abrufen.

 Wie glühend fließendes Eisen führt eine rote Leuchtspur-Installation von der Foyer-Ehrenbüste der legendären Unternehmerin und Stifterin Käte Ahlmann den Besucher durch das klar strukturierte Raum-Karree um einen ansehnlich begrünten Atrium-Innenhof herum. Kirsten Baumann, Direktorin des Landesmuseums Kunst und Kulturgeschichte, schwärmt zu Recht von der vom dänischen Architekt Carl Storgård entworfenen 60er-Jahre-Architektur des flachen Museumsgebäudes, das mit seinen Ölander Granitfußböden, der Glasbaustein- und Klinkerfassade sowie den kühl gerahmten Fensterflächen allemal Bauhaus-Nobilität andeutet.

 Guido Wendt, Kaufmännischer Geschäftsführer der Stiftung Landesmuseen, verweist auf die bemerkenswerte Geschichte des Eisenkunstgussmuseums. Nach der Eröffnung 1963, die Käte Ahlmann selber gar nicht mehr erlebte, sei das Haus insbesondere ab 1974 durch den Carlshütte-Konkurs „in eine Art Dornröschenschlaf“ verfallen – mit seiner eher statischen Vitrinenschau, die im Jahr nur etwa 1000 speziell interessierte Besucher interessierte. Im Mai 2010 kam es aber in die Trägerschaft der Stiftung Landesmuseen Schleswig-Holstein, abgekauft für einen symbolischen Euro von der Gemeinde. „Der Glücksfall schlechthin ist nun“, so Wendt, „dass Josef Severin Ahlmann größere Teile seines Vermögens in niedriger zweistelliger Millionenhöhe für das Projekt verwendet sehen wollte. So konnte nicht nur die Finanzierung des Umbaus finanziert werden, sondern ist aus den Zinserträgen in Zukunft auch die Schulterung der Betriebskosten von jährlich 350000 Euro möglich. Damit kommt das Museum tatsächlich fast ohne öffentliche Gelder aus.“ Gut zwei Millionen Euro hat die komplette Entkernung und Wiederherstellung des baulichen Urzustandes unter Wahrung modernster energetischer Gesichtspunkte inklusive der multimedial modernisierten Präsentation nach seiner Aussage gekostet. Nebenan konnte außerdem noch ein Haus für Depoträume und Büroflächen sowie Grund für einen Besucherparkplatz erworben werden.

 Die Museumsleiterin Ulrike Ernemann hat gemeinsam mit dem Münchner Gestaltungsbüro Die Werft und dem langjährig erfahrenen Spezialisten Ulrich Schneider das neue Präsentationskonzept erarbeitet. Auf 400 Quadratmetern Ausstellungsfläche ist nun mit 320 Exponaten aufgeräumt nur noch die Hälfte des Bestandes zu sehen und dreisprachig (Deutsch, Englisch, Dänisch) ausgewiesen. Die Mitarbeiterin Steffi Kuthe kümmert sich um museumspädagogische Vermittlungsarbeit. Nun hofft man bescheiden auf 5000 neugierige Besucher im Jahr. Lohnen würde es sich ohne Frage für deutlich mehr.

 Eisenkunstgussmuseum, Ahlmannallee 5, Büdelsdorf. Offizielle Eröffnung durch Ministerpräsident Torsten Albig am 1. Juli. Am Wochenende 2./3. Juli Eintritt frei. Regulärer Ausstellungsbetrieb Di-So von 12 bis 17 Uhr. Eintritt 5 Euro, für Nordart-Besucher erm. 3 Euro sowie wechselseitig frei für Besucher des Jüdischen Museums Rendsburg. Ein Katalogbuch gibt Auskunft über Sanierung und Neukonzeption. Im eingegliederten Museumsshop gibt es Kunstgussobjekte wie eine chinesische Teekanne, einen Weinflaschenhalter oder Schmuck zu kaufen. Internet: www.schloss-gottorf.de/eisenkunstguss-museum

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Ein Artikel von
Dr. Christian Strehk
Kulturredaktion

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