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Seelenmusik in der Schlosskapelle

Gottorfer Hofmusik Seelenmusik in der Schlosskapelle

Dem musikalischen Seelen-Frieden war schon ihre wunderschöne Carus-CD mit Kantaten von Johann Philipp Krieger gewidmet. Mit „Gottorfer Seelenmusik“ krönten und beschlossen das Ensemble Hamburger Ratsmusik und die Sopranistin Dorothee Mields nun das exquisite Alte-Musik-Festival im Schloss der Schleswig-Holsteinischen Herzöge.

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Trotz schmerzhafter Rippenprellung die perfekte Besetzung für das Raritäten-Repertoire von Johann Theile, Gregor Zuber, Franz Tunder und Christian Flor: Sopranistin Dorothee Mields.

Quelle: Van der Vegt

Schleswig. In der voll besetzten historischen Kapelle erkundeten sie ein Repertoire, das die angestammten Hof- und zugereisten Ratsmusiker vor bald 350 Jahren genau so an diesem Ort gespielt haben. In Mields hat die Ratsmusik eine Gesangspartnerin, wie man sie sich im weiten des Feld des Barockrepertoires nicht glücklicher gewählt vorstellen kann. Dass sich die Sopranistin nach einer Rippenprellung singfähig hielt, merkte man ihren in der Tiefe lavarot leuchtenden und in der Höhe vollkommen schwerelosen Tönen nicht an.

 Johann Theile, als Hofkapellmeister von der aus Sachsen stammenden Herzogin Marie Elisabeth an die Schlei gelockt und später als Gründer der ersten bürgerlichen Oper in Hamburg bedeutend, wurde mit allen erhaltenen Sopran-solo-Kantaten gehuldigt. Dass sich das lohnt, zeigte die innig lyrische Intensität, mit der sich etwa in Jesu, mein Her und Gott allein der liebende Gläubige ins Gebet versenkt oder in Gott hilf mir die Gefahr des Versinkens in den Untiefen des Lebens durch kräuselnde Tonwellen und abgründige Stimmführung plastisch veranschaulicht wird. Dass da Heinrich Schütz für seinen allerletzten Schüler als Lehrmeister Pate stand, machte Mields’ exemplarisch deutliche Textdeklamation und rhythmisch-monodische Präzision doppelt deutlich.

 Eine echte Entdeckung war die Musik des Komponisten Gregor Zuber, der ebenfalls zu Zeiten Friedrich III. und Christian Albrechts als Geiger in der Gottorfer Hofkapelle wirkte. Wie sich in seiner Solo-Motette Inter Brachia Salvatoris mei der aufflammende Lebenswille („vivere volo“) hinaufschraubt und dem verdüsterten Sterbewillen („mori cupio“) entgegengesetzt wird, ist faszinierend eindringlich und steht den weit berühmteren Kunstpausen in Franz Tunders Arie Ach Herr, lass deine lieben Engelein nicht nach.

 Dazwischen streuten Simone Eckert und ihre Kollegen Sonaten- und Suitensätze von Theile und Zuber für vier oder fünf Instrumente der Gamben-Familie ein, mit und ohne Basslaute (Ulrich Wedemeier) als Continuo. Anders als vom heißblütigen Jordi Savall wurden auch die Tanzsätze mit hanseatischer Zurückhaltung eher höfisch zelebriert als hingefetzt. Aber wie die nasalen Darmsaitentöne ineinander andächtig polyphon verwoben waren, opulente und ganz zarte Kontraste setzten, war im evangelisch-lutherischen Kirchenraum spürbar passend. Gottorfer Seelenmusik eben.

www.gottorfer-hofmusik.de

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Ein Artikel von
Dr. Christian Strehk
Kulturredaktion

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