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Das Gift des Spinnenbisses

Tito & Tarantula in Kiel Das Gift des Spinnenbisses

Lässig, wortlos steigen Tito & Tarantula in ihren größten Hit „After Dark“ ein. Dieses sich lasziv schlängelnde Stück Rock, selbstbewusst an die vorletzte Stelle des regulären Sets gesetzt. Nicht Schlangentänzerin Santanico Pandemonium, wie im Vampirfilm „From Dusk Till Dawn“, bewegt sich jetzt auf der Bühne.

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Für die einzige Zugabe, von der Menge ausdauernd und verhement gefordert, haben sich Tito & Tarantula Angry Cockroaches aufgespart.

Quelle: Michael Kaniecki

Kiel. Sondern ein knappes Dutzend Zuschauer, von Sänger Tito Larriva persönlich rausgepickt und einzeln auf die Bühne der gut besuchten Kieler Pumpe geholt, wo der Band ein formidabler Tourstart gelungen ist.

Ungemein homogen mischen Tito Tarantula in ihrem gut anderthalbstündigen Set Songs ihres legendären Debüts Tarantism (1997) und des erst kürzlich veröffentlichten Bruderalbums Lost Tarantism mit verschollen geglaubten, fast 20 Jahre alten Aufnahmen, die Tito in seiner Garage gefunden hat. Mögen die ganz, ganz wilden Zeiten des gebürtigen Mexikaners Humberto Lorenzo Rodriguez Larriva auch vorbei sein, der 62-Jährige liefert eine virile Performance ab, im Rücken eine phänomenale Band, zu der neben seiner Tochter Lolita am Bass die alten Weggefährten Peter Atanasoff (Gitarre) und Johnny „Vatos“ Hernandez (Schlagzeug) zählen.

 Tito schickt ein freundliches „Buenos Noches“ in die Runde, dann bahnt ein metertief pflügender Bass dem ersten Song den Weg, dem blues-grundierten, sinnlichen Smiling Karen. Schade, dass der Sound so mies abgemischt ist (was sich erst viel zu spät bessern sollte); Larrivas spröder Gesang dringt nur mühsam durch, vor allem die Drums haben zu viel Gewicht. Bei Slippin’ & Slidin' stülpt sich Atasanoff zum ersten Mal an diesem Abend den Bottleneck über den Finger und lässt ihn für sein forsches Slide-Spiel über die Saiten rutschen. Und behält das Teil für Damn Good Day To Die gleich auf. Das erste Lost-Tarantism-Stück des Abends ist bluesiger Hardrock, Larrivas Stimme presst, reibt sich an dem Song, den Atasanoff mit einem wundervollen Slide-Solo veredelt.

 Schön sei es, endlich wieder mit den alten Freunden auf Tour zu gehen, erzählt ein sichtlich entspannter Larriva, der auf Zwischenrufe locker und schlagfertig reagiert. Als einer aus der Menge, hörbar berauscht, etwas brüllt, in dem das Wort „Tequila“ vorkommt, rät Larriva dem Trunkenen, nichts mehr von diesem minderwertigen Tequila zu konsumieren, der mache ihn verrückt. Ob Zufall oder spontan reagiert, bringen Tito & Tarantula mit dem unheilvoll psychedelisch rockenden Jupiter einen Song über die Angst, geisteskrank zu werden. Später, nach der gefühlvollen, angenehm unkitschigen Ballade Crying In The Night, ruft einer „Cucaracha!“. Er könne keine Liebeslieder singen, wenn er an „Kakalakas“ denke, sagt Larriva, daher komme nun ein Song über Mord, und für das knackige Gimme Respect wird die Bühne in blutrotes Licht getaucht.

 Nicht ganz das ansonsten kompositorisch hohe Niveau hält Navajo In A UFO, ein eher konventioneller, countryesker Midtempo-Rocksong von Lost Tarantism, bei dem vor allem der spacige Orgelsound aufhorchen lässt. Satte Hammond-Akkorde würzen den saftigen Blues-Rocker Strange Face, und erst jetzt, beim vorletzten Song, wirkt der Sound endlich optimal abgemischt.

 Für die einzige Zugabe, von der Menge ausdauernd und verhement gefordert, haben sich Tito & Tarantula Angry Cockroaches aufgespart, das sich auch auf dem From-Dusk-Till-Dawn-Soundtrack findet. Ein durchgeknalltes, bissiges Biest von einem Rocksong und ein würdiger Rausschmeißer.

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