20 ° / 13 ° wolkig

Navigation:
Eidgenössische Triumphe

SHMF Eidgenössische Triumphe

Wer den Bogen von den Saiten nehme, lasse das Cello sterben, war einer der Lehrsätze von Rostropowitsch. So wie Sol Gabetta das d-Moll-Konzert von Édouard Lalo spielt, wird sie die Zauberformel als dessen "Enkelschülerin" von Geringas und Monighetti immer wieder geflüstert bekommen haben.

Voriger Artikel
Hälfte der Karten für 2018 verkauft
Nächster Artikel
Eintauchen bis zum Grund der Dinge

Starkes Team: Die Cellistin Sol Gabetta mit dem Gstaad Festival Orchestra unter ihrem neuen Leiter Jaap van Zweden.

Quelle: Axel Nickolaus

Kiel. Die charismatische Argentinierin versteht ihren Solopart tatsächlich als unablässigen Melodiestrom, als reißfesten Leitfaden durch alle Melancholie-, Tanz- und Volksliedanklänge. So schlägt das zu selten gespielte Werk französischer Hochromantik den Hörer soghaft in den Bann, traumhaft innig und in den Kontrastteilen köstlich federleicht im mittleren Intermezzo. In der Zugabe verbeugt sich die 36-Jährige bestrickend vor dem anderen überragenden Cello-Guru des 20. Jahrhunderts, indem sie Pablo Casals’ "Chant des oiseaux" wie einen kostbaren Schatz serviert.

Die anhaltenden Beifallsstürme im ausverkauften Kieler Schloss verdienen sich wahrlich auch die überwiegend jungen Gäste aus Gabettas Wahlheimat Schweiz: Das Gstaad Festival Orchestra verleiht schon Ravels "Pavane", aber genauso dem Lalo-Konzert eine samtweich feinstoffliche Klanghülle.

Dabei schlägt die große Stunde des neuen Prinzipals am Pult dieser eidgenössischen „Nationalmannschaft“ erst noch. Der Geiger Jaap van Zweden ist bald als Musikdirektor des New York Philharmonic Orchestra ganz oben im internationalen Musikbusiness angelangt. So vierschrötig der 56-jährige zunächst auch wirken mag – seine Zeichengebung ist elegant, ästhetisch und befeuernd. Entsprechend begeistert spielen und danken die Instrumentalisten.

Peter Tschaikowskys schicksalsdräuende Fünfte Symphonie wirkt unter van Zwedens Leitung jedenfalls energiegeladen explosiv und ungeheuer vital.

Von Christian Strehk

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nachrichten: Kultur 2/3