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Außergewöhnliche Klangfarben

Jaurena Ruf Project ließ den Lutterbeker tanzen Außergewöhnliche Klangfarben

Ungewohntes Bild im gut besuchten Lutterbeker: Die Stuhlreihen vor der Bühne sind für eine Tanzfläche geräumt. Denn zum Programm Tango Tales des Jaurena Ruf Projects, bestehend aus Latin-Grammy-Gewinner Raul Jaurena und Grammy-Nominee Bernd Ruf, gehört zwingend auch der sinnliche Tanz.

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Loteten die Grenzen des Tangos aus: (von links) Raul Jaurena, Marga Mitchell und Bernd Ruf.

Quelle: Manuel Weber

Lutterbek. „Wer möchte denn tanzen?“, fragt Bernd Ruf nach dem ersten Lied in die noch verhaltene Runde und fügt augenzwinkernd an: „Grundsätzlich kann man zu unserer Musik immer tanzen, wenn sie denn können.“

 Schon der Opener El Choclo deutet das agile, kleinteilige und immer perfekt aufeinander abgestimmte Spiel der beiden Virtuosen an, mit dem die andächtig lauschende Zuhörerschaft von einer Stimmung in die nächste geleitet wird. Ebenso El Amor Perdido, Die verlorene Liebe, von Raul Jarena selbst komponiert, mag gleich eine ganze Geschichte erzählen. Dramatische, sehnsuchtsvolle Töne und das Laut-Leise-Spiel als Stilelement regen die Fantasie des Hörers an. Ein Lied mit mehreren Kapiteln, in denen man Berge erklimmt und Täler durchschreitet. Für mehr Temperament sorgt beim folgenden Malena die kraftvolle und ausdrucksstarke Stimme von Sängerin Marga Mitchell, während die beiden Meister den Rahmen bilden, ihren Instrumenten ungeahnte Töne entlocken und die Grenzen von Tango, Klassik, Klezmer und Jazz ausloten. Und noch mehr. Die äußerst seltene Kombination von Jaurenas Bandoneon und Rufs Klarinette ergeben außergewöhnliche Klangfarben und Momente, in denen die Instrumente stellenweise miteinander verschmelzen. Imponierend.

 Ebenfalls schön: Das Duo nimmt nicht nur musikalisch mit auf die Reise, sondern dringt auch geschichtlich bis zu den Ursprüngen des Tango Argentino vor. Weiter erklärt Jaurena sein Bandoneon von 1905 und Ruf erzählt, wie der Walzer in Europa durch Tango-Schritte infiltriert wurde, mit der anschließenden Aufforderung, das Parkett sei nun frei. Fortan hält es einige Paare nicht mehr auf den Sitzen und die südländische Lebensart- und Freude, die sich seit dem ersten Lied anschleicht, hat sich auf das entzückt applaudierende Publikum längst übertragen.

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