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Famoser Haydn aus Basel

SHMF Famoser Haydn aus Basel

Für das Festkonzert des Kammerorchester Basel zum Haydn-Schwerpunkt des SHMF müsste man wohl die allermeisten Lob-Attribute der deutschen Sprache verbrauchen, denn wie sich die Schweizer Spezialisten mit ihrem historischen Instrumentarium da durch die geistvoll wendigen Partituren von zwei der 107 Sinfonien des Wiener Klassikeroberhaupts kämpften, war schlichtweg famos.

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Passafire fegt durch die Schaubude

Das Kammerorchester Basel : Giovanni Antonini und Nuria Rial.

Quelle: Marco Ehrhardt

Kiel. Gleich in Nr. 81 G-Dur fauchte der Zug voller Ideen heftig los, um sogleich auf Schleichfahrt durch wunderschöne Landschaft am burgenländischen Neusiedler See umzuschalten. Solche Kontraste und Überraschungseffekte (inklusive Generalpausen!) waren sichtlich Giovanni Antoninis ganzes Dirigentenglück. Und man darf festhalten, dass die Musiker aus dem Rheingraben das beinahe noch zwingender verklanglichten als die leicht manieriert abgeklärten Italiener von Il Giardino Armonico.

Es ist jedenfalls das pure Hörvergnügen, wenn die Streicher plötzlich im Trio des Menuetts den folkloristischen Farben der Spätbarock-Fagotte Platz machen oder verschiedene Instrumentengruppen in den langsamen Mittelsätzen miteinander auf das Innigste in Dialog treten. Frappierender Höhepunkt war aber das virtuose Presto-Finale der ohnehin maximal vielgestaltigen d-Moll-Sinfonie Hob. I:80. Da machte Antonini Haydn mit einer demonstrativen Betonung der „Off-Beat“-Verschiebungen beinahe zum Pionier des Jazz.

Spannend sind in solchen Zusammenhängen immer zeitgenössische Kontraste – hier vom „schwedischen Mozart“ Joseph Martin Kraus. Mit vier Hörnern und ganz ohne die von Haydn gern gesetzten vogelhaften Glanzlichter einer Traversflöte prägt seine dreisätzige c-Moll-Sinfonie ein nordisch ernster, in kontrapunktischen Linien verdichteter Tonstrom, auf den man in Stockholm stolz sein darf. Zumal, wenn er so emotional feurig gespielt wird, wie das hier der Fall war.

Zwischendrin betörte die Spanierin Nuria Rial mit ihrem warm flutenden, nie angestrengt wirkenden Sopran Arien-Szenen von Haydn. In subtiler Innerlichkeit setzte sie bange Fragen und Schattentupfer in ihre Mikro-Porträts. Die dramatische Attacke, mit der die französische Mezzosopran-Kollegin Marianne Crébassa in der Scena Berenice, che fai im SHMF-Eröffnungskonzert überwältigt hatte, ist bei allem Wohlklang ihre Sache nicht. Dafür gibt es bestimmt nicht allzu viele Susannen, die die gefürchtete Rosen-Arie aus Mozarts Figaro als Zugabe derart duftig hinzaubern können wie sie. Das Publikum im leider nicht ausverkauften Schloss war zu Recht von allem restlos begeistert.

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Ein Artikel von
Dr. Christian Strehk
Kulturredaktion

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