23 ° / 17 ° Regenschauer

Navigation:
Vom Spiel mit Farbe und Form

Künstlermuseum Heikendorf zeigt Willy Knoop Vom Spiel mit Farbe und Form

Er hat in Wien und London ausgestellt, 1950 war er dem „Spiegel“ einen Artikel wert, auch andere überregionale Zeitungen nahmen das Werk von Willy Knoop wahr. „Alle waren begeistert von ihm, nur in Schleswig-Holstein wurde er im Grunde nicht gesehen“, sagt Sabine Behrens über den 1,52 m kleinen Mann.

Voriger Artikel
Facetten eines Universalkünstlers
Nächster Artikel
Sprache, Ton, Charakter

Stark stilisiert: Nachkriegswerke von Willy Knoop im Künstlermuseum Heikendorf.

Quelle: ehr - Marco Ehrhardt

Heikendorf. Die Leiterin des Künstlermuseums Heikendorf hat dem in Lütjenburg geborenen Maler und einigen seiner Weggefährten aus der Hamburgischen Sezession (1919-1933) eine Ausstellung gewidmet. Die rund 50 Exponate, neben Ölbildern und Aquarellen auch einige Radierungen und Zeichnungen, sind Leihgaben einer Privatsammlung aus Schleswig-Holstein. Mit 20 Arbeiten liegt der Schwerpunkt der Schau auf dem Werk Willy Knoops (1888-1966), der seine künstlerische Tätigkeit 1918 aufnahm – zunächst mit Aquarellen, bevor er sich in den 50er Jahren der Ölmalerei zuwandte.

 Knoop war Autodidakt. Sein Frühwerk fiel weitgehend dem 2. Weltkrieg zum Opfer, sein Spätwerk ist bis heute kunstgeschichtlich nicht systematisch aufgearbeitet. Der Sohn eines Maurers, der während der 50er Jahre in Kiel lebte, ging künstlerisch scheinbar mühelos seinen eigenen Weg. Um 1930 zog es ihn nach Hamburg, wo er Vertreter der Hamburgischen Sezession kennen lernte, darunter Erich Hartmann, Eduard Bargheer, Fritz Hauptmann und das Ehepaar Maetzel. 1937 wurde er von den Nationalsozialisten als entarteter Künstler eingestuft und mit Ausstellungsverbot belegt. Zu dieser Zeit hatte sich die Hamburger Sezession, der etwa 55 bildende Künstler, Architekten und Literaten angehörten, bereits aufgelöst, um so dem offiziellen Entzug der Mitgliedschaft für jüdische Künstler zuvor zu kommen.

 Der Einfluss der Hamburger Künstlerfreunde auf die Kunst Willy Knoops blieb indes weiter bestehen. Insbesondere der späte Sezessionsstil, der sich zugunsten abstrakter Bildformen zunehmend von der realen Gegenständlichkeit löste, findet nach 1948 Niederschlag in seinen Arbeiten. In Heikendorf hängen Reisebilder, kleinteilig gemalt in leichtem, luftigen Duktus, neben Stillleben, Blumen- und Aktbildern, deren Gegenständlichkeit eine starke Stilisierung erfährt. Die Lust am Spiel mit Farbe und Form ist evident. „Die Realität ist immer der Anhaltspunkt“, so Behrens, „beschränkt sich jedoch in den späten Werken immer mehr auf die Andeutung.“ Je vager die Umsetzung der visuellen Eindrücke, desto fabulierfreudiger geraten die Motive. Aus den 50er Jahre datiert das Bild Im Hutladen, das mit schemenhaft skizzierten Frauengestalten, die von verschiedensten Hutmodellen förmlich umschwirrt werden, von Lebens- und Kauflust zu erzählen scheint.

 Weniger verspielt, aber ähnlich luftig scheinen im Vergleich Hafenbilder von Erich Hartmann aus den 30er und 60er Jahren, kubistische Anmutung trägt ein Stillleben von Fritz Kronenberg, eine stilisierte Formensprache bestimmt Emil Maetzels Gemälde „Nächtlicher Fischfang“ (1954). Die Entwicklung vom Naturalismus zum Expressionismus lässt sich im Anbau anhand von Grafiken seiner Ehefrau Dagmar Maetzel-Johannsen nachvollziehen.

 Teichtor 9. Eröffnung morgen, Sonnabend, 17 Uhr. Bis 7. Mai. Di-Sa 14-17, So 11-17 Uhr

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nachrichten: Kultur 2/3