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Selbstbewusst erzählt

Kiel Selbstbewusst erzählt

7620 Flüchtlinge sind laut ZBBS im vergangenen Jahr nach Schleswig-Holstein gekommen. Mit dem Projekt „Bühne frei für Geflüchtete“ will der Verein nach eigenen Worten, „der reichen Kultur dieser Länder und somit auch den Geflüchteten eine Plattform geben.“

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Neue Erfahrung: Die Darsteller zeigten Mini-Dramen, die sich mit ihrer Situation in Deutschland auseinandersetzen.

Quelle: Björn Schaller

Kiel. Als Idun Hübner, Geschäftsführerin der Zentrale Bildungs- und Beratungsstelle für Migrantinnen und Migranten e.V. (ZBBS), im klassischen jemenitischen Gewand und „Moderator“ Ahmed Aneiam im klassischen dunklen Dreiteiler die Gäste im voll besetzten Kulturforum zu „Bühne frei für Geflüchtete – Jemen “ begrüßten, war überdeutlich, dass Kleider Leute machen (können) und Integration keine Einbahnstraße ist.

7620 Flüchtlinge sind laut ZBBS im vergangenen Jahr nach Schleswig-Holstein gekommen. Mit dem Projekt „Bühne frei für Geflüchtete“ will der Verein nach eigenen Worten, „der reichen Kultur dieser Länder und somit auch den Geflüchteten eine Plattform geben.“ Nach den Länderschwerpunkten Syrien, Iran und Eritrea in den letzten Monaten stand mit dem Jemen nun eine weitere kriegs- und krisengeschüttelte Region im Zentrum des Interesses. Bürgerkrieg, verheerende Selbstmord-Attentate, Regierungschaos und die aktuellen Saudi-arabischen Luftangriffe unter der zynischen Bezeichnung „Sturm der Entschlossenheit“: Fast täglich gibt es neue Schreckensmeldungen aus dem Jemen, jenem Staat im Süden der Arabischen Halbinsel, der etwa anderthalbmal so groß ist wie Deutschland, und auf eine wechselvolle, höchst lebendige und kulturell bedeutsame Geschichte zurückblickt.

Viel davon erzählt Ahmed Aneiam bei einem Vortrag anhand von Fotos und Karten und droht dennoch, manchen Zuhörer aufgrund der Informationsfülle zu überfordern. Doch der historische, religiöse, kulturelle und sozio-politische Hintergrund ist natürlich von großem Wert, nicht nur für den anschließenden Theater-Teil des Abends. Nachdem eine Gruppe zunächst die vielgestaltigen traditionellen Gewänder der jemenitischen Heimat präsentierte, fesselten weitere Flüchtlinge mit zwei selbst geschriebenen Mini-Dramen, die sich schlaglichtartig mit ihrer Situation in Deutschland auseinandersetzen. Mal geht dabei um die quälende Unsicherheit während des Aufnahmeverfahrens, was dann häufig nicht einmal zu einem guten Ende führt. Oder es geht um Korruption und Gewalt, die eben solche Verfahren mit kriminellen Methoden abkürzen.

Trotz der ernsten Thematik spielten die von der Kieler Schauspielerin Ellen Dorn vorbereiteten Darsteller ohne Larmoyanz oder falsche Dramatik, sondern locker – manchmal fast lustig – und selbstbewusst diesen Teil ihrer Geschichte. Ein umfangreiches Büffet mit traditionellen Speisen aus der Region und viele Gespräche rundeten die gelungene Veranstaltung im Kulturforum ab.

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