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Starke Zahlen, starke Frauen

Umzug des Landestheaters Starke Zahlen, starke Frauen

Fünf Jahre nach Schließung des Schleswiger Stadttheaters scheint das Landestheater Schleswig-Holstein ganz zu Hause angekommen. Bis Mitte Juni wird auch die Administration ganz nach Rendsburg verlegt,

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Schillers „Maria Stuart“ (Manja Haueis, Mitte, mit ihren Ensemble-Kollegen) bekommt als Wiederaufnahme Donizettis Opernversion an die Seite gestellt.

Quelle: Henrik Matzen

Rendsburg. In Rendsburg warten neue Probebühnen und das „Wand an Wand“ aller zentralen Kräfte „Produktionsbedingungen bieten, die es zuvor nicht gegeben hat“. Intendant Peter Grisebach hat eine erfolgreiche Spielzeit mit Zuschauerzuwachs im Rücken.

Grisebach schmilzt in Rendsburg sieben Stellen durch Nichtwiederbesetzung ab und verzeichnet wachsendes Eigenkapital. Das Wirtschaftsjahr will er mit einer schwarzen Null abschließen und bekommt durch ein Wirtschaftsgutachten positive Perspektiven bis 2028/29 bescheinigt. Jetzt müssen nur noch die Gesellschafter (Grisebach: „eine Hängepartie mit positiven Vorzeichen ...“) an der Westküste zur Beteiligungsvernunft einer „Solidargemeinschaft“ zurückfinden und Schleswig eine „Kulturhaus“-Spielstätte basteln, das im besten Fall ab 2019 sogar Musiktheater und Balletttanz zulässt. „Das wäre eine Superperspektive!“

 Viel Theatererlebnis will man deshalb erst recht auch in der kommenden Spielzeit bieten. Der Lüneburger Theaterchef Hajo Fouquet ist eingeladen, eine deutschsprachige Carmen zu inszenieren. Dazu passt das Wagnis, erstmals Alban Bergs Lulu am Landestheater zu erarbeiten. Markus Hertel inszeniert und GMD Peter Sommerer dirigiert die erweiterte zweiaktige Fassung in der orchestral komprimierten Kloke-Version dieses Schlüsselwerks der Wiener Moderne. Wenn Jack the Ripper am Ende die Titelfigur meuchelt, stirbt eine der vielen starken Frauen im Programmkonzept der Saison. Auch Hanna Glawari aus Lehárs Lustiger Witwe zählt dazu, in einer der unbestritten besten Operetten, die „auf höherer Ebene unterhaltsam sein kann, weil sie die Käuflichkeit der Politik thematisiert“ (Grisebach). Schillers Maria Stuart (als Wiederaufnahme) bekommt Donizettis Opernversion Maria Stuarda an die Seite, auch damit dem aktuellen Abiturstoff theatralisch zugearbeitet wird. Wer möchte, kann auch die Maria in Bernsteins Musical West Side Story und Anna Karenina in Katharina Torwestens Tolstoi-Ballett zu den eindrücklichen Frauenfiguren addieren.

 Schauspielchef Wolfgang Apprich ist besonders froh über das spürbare Rendsburger Gemeinschaftsgefühl eines „Uns-pustet-nichts-um“. Auch er hat mit Kleists Käthchen von Heilbronn und ihrem unbedingten Beharren auf ihre Liebe eine starke Frau im Fokus. Da die Klassenzimmerstücke, überhaupt die Theaterpädagogik boome und inzwischen fast jeder dritte Landestheater-Besucher jugendlich sei, rückt jüngeres Theater in den Fokus. Mit abgründigem Humor erkundet Tracy Letts Schauspiel Eine Familie, taucht Simon Stephens als Autor auf, bringt ein Nordkolleg-Festival mit der Eisbilder-Uraufführung einen aktuellen finnischen Autoren wie Kristian Smeds in die Diskussion. Außerdem will Apprich mit Shakespeares Othello, Millers Hexenjagd oder einer Neufassung Dostojewskis Schuld und Sühne aktuelle Zeitfragen von Verantwortung oder Fremdenhass bespiegeln.

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Ein Artikel von
Dr. Christian Strehk
Kulturredaktion

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