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Lauter großspurige Effekte

Streiber NDR-Konzert Kiel Lauter großspurige Effekte

Wenn im Konzertsaal der Hammer fällt, ist seit Mahlers Sechster Existenzielles am Werke. Vito Zuraj fordert sein Herabsausen gleich mehrfach in seiner ausladend gespreizten neuen Partitur "Stand up", die den leider aktuell wieder grassierenden Größenwahn der Mächtigen zum Thema hat.

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Vito Žuraj ist ein Komponist mit viel Sinn für Klangregie und eigenwillige Instrumentationseffekte. Im Kieler Schloss wurde sein Werk "Stand up" vom NDR Elbphilharmonie Orchester uraufgeführt.

Quelle: Tone Stojko

Kiel. Schwere Seufzer in abrutschenden Skalen und Glissandi durchziehen ständig das Zwölf-Minuten-Stück des slowenischen Rihm-Schülers, Konfrontationen bauen sich mit der Schlagzeug-Batterie auf, die bis hin zur Kolbenflöte auch groteske Züge einbringt. Wahrscheinlich ist die Wirkung deshalb nur begrenzt bedrohlich.

Das NDR Elbphilharmonie Orchester zelebriert die aufwendig im Detail differenzierte Uraufführung unter der umsichtigen Leitung des Slowaken Juraj Valcuha mit reich gestaffeltem Sinn für außergewöhnliche Effekte. Die Reaktion der zahlreichen Zuhörer im Schloss ist gebremst enthusiastisch.

Das Konzert steigert sich. Der ukrainische Geiger Valeriy Sokolov meistert die erheblichen Schwierigkeiten in Bartóks "Zweitem Violinkonzert" mit einer Sicherheit und klangstarken Präsenz, die Staunen macht. Dadurch wirkt er allerdings auch so gesund kraftstrotzend, dass man von den 30er-Jahre-Brüchen kurz vor der Emigration des Komponisten wenig spürt.

Nach der Pause bieten die Elbphilharmoniker mit Prokofjews "Dritter Symphonie" eine Rarität. Allerdings versteht man schnell, warum das Opus 44 aus dem Jahr 1928 so extrem selten gespielt wird: Es neigt zum Lärmen. Immerhin harmonieren Valcuha und die NDR-Musiker glücklich miteinander.

Von Christian Strehk

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