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Mozart-Sinfonie in dritter Dimension

SHMF Mozart-Sinfonie in dritter Dimension

Es gibt Erlebnisse, die man eigentlich auch mit bestem Willen im Leben nicht herbeizaubern kann. Dazu gehört für alle, die „bloß“ Klavier spielen oder nur auf dem Kamm blasen, die Erfahrung, einmal mitten im Gewoge eines Sinfonieorchesters sitzen zu können. Das SHMF-Projekt "Zoom" machte es möglich.

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Herangezoomt: Mitglieder des Festival Orchesters mitten in den Zuhörerreihen.

Quelle: Axel Nickolaus

Büdeldorf. Immer mal wieder, beispielsweise mit Markus Fein bei den Sommerlichen Musiktagen Hitzacker und den Festspielen Mecklenburg-Vorpommern oder unter Ivan Fischer im Berliner Konzerthaus, gab und gibt es das Bestreben, dieses Dilemma in Wohlgefallen aufzulösen. Dann spreizen die Musiker ihre sonst so dicht geschlossenen Reihen und lassen das Publikum direkt zwischen ihnen Platz nehmen.

Das SHMF hat das Konzept am Wochenende bei der derzeit geteilten Orchesterakademie unter dem Titel „Zoom“ mit der g-Moll-Sinfonie KV 550 aufgegriffen. Und wieder einmal erwies sich die Thormannhalle der Familie Ahlmann in Büdelsdorf als glücklicher Ort für den Versuch. Denn vor der Bühne ist dort auf flacher Ebene genügend Raum und die geeignete Akustik, Sender und Empfänger zu durchmischen. Sternförmig um den Dirigenten Simon Gaudenz, Leiter der Hamburger Camerata und ab 2018 GMD in Jena, verteilten sich die Mitglieder des Festival Orchesters, Bläser einzeln, Streicher jeweils in Pultpärchen.

Das 3-D-Ergebnis war frappierend. Man hörte plötzlich selektiv sonst im Gewebe versteckte Nebenstimmen vom Pultduo der Ersten Violinen, erlebte hautnah ihre virtuose „Arbeit“.

In der Pause hatten die Bläser mit Mozarts c-Moll-Serenade KV 388 noch eine Open-Air-Überraschung im Skulpturenpark der Nordart vorbereitet. Nach der Pause traf man sich in der Thormannhalle, um die g-Moll-Sinfonie noch einmal in geschlossen traditioneller Formation vorzuführen – für hunderte ganz bestimmt neu geeichte Ohren! Das Projekt sollte Schule machen – und tat es auch, weil gestern Fünftklässlern aus diversen Realschulen und Gymnasien dasselbe Erlebnis ermöglicht wurde.

Von Christian Strehk

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