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Reiche Ernte mit den Jahreszeiten

SHMF in der Carlshütte Reiche Ernte mit den Jahreszeiten

Es gibt nicht viele Orte, an denen die Künste derart fruchtbar zueinander finden wie in der Carlshütte Büdelsdorf. Intendant Christian Kuhnt hat gute Gründe, dem Ehepaar Ahlmann zum 30-jährigen Jubiläum des Schleswig-Holstein Musik Festivals besonders zu danken.

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Starke Anwälte Haydns in der Industriearchitektur der Carlshütte (v.li.): Rezitator Klaus Maria Brandauer, Dirigent Matthias Janz, Johanna Winkel (Sopran), Maximilian Schmitt (Tenor) und Michael Nagy (Bass).

Quelle: Axel Nickolaus

Büdelsdorf. Zweimal je 1400 Besucher fanden am Wochenende in die größte Nordart-Ausstellungshalle, um das Ereignis mit „The Big Seasons“ zu feiern. Nun mag das Oratorium Die Jahreszeiten aus der Feder des diesjährigen Schwerpunkt-Komponisten Joseph Haydn in seiner altersweisen Feinheit nur bedingt geeignet erscheinen, um gegen Stahlträger, Wellblechdach und manch’ schreiend brachiale XXL-Kunstwerke zu bestehen. Und doch stellte sich am Sonnabend schon in den besuchten Sektionen Frühling und Sommer Atmosphäre ein.

Schauspielstar Klaus Maria Brandauer schlüpfte mit gekonnt gebrochener Stimme in die Vorleserrolle des Altmeisters, der in seinem letzten großen Werk zwei Jahre lang nicht nur mit eigenen Zipperlein, sondern vor allem mit dem etwas linkischen Textbuch des Barons van Swieten zu kämpfen hatte. Der 73-jährige Österreicher passte außerdem geschickt lyrische Texte wie Schillers Sämann ein: Auch durch dessen „Furche der Zeit“, in die man geistvolle Taten für die Ewigkeit streut, gewann die aufgeklärte Naturfeier noch an literarischer Hintergründigkeit.

Dem Flensburger Dirigenten Matthias Janz gelang es exemplarisch, das gesprochene und gesungene Wort unmittelbar plastisch in der Musik zu spiegeln. Mit dem auf historischem Instrumentarium spielenden Elbipolis Barockorchester Hamburg stellte er sofort die Aura des Übergangs von starrer Winterkälte zu blühender Frühjahrshoffnung her, malte in souverän herausgekitzelten orchestralen Effekten Vogelsang und Lämmersprung, schwüle Hitze, Bachgemurmel und Donnergrollen. Plastisch und textverständlich, ausgewogen in den vier Stimmgruppen präsentierten sich die vereinigten Vokalmassen des Flensburger Bach-Chors und des Symphonischen Chors Hamburg – wendig in den Fugen, duftig in den volksnahen Passagen, gewaltig im „flammenden“ Lob der Gottesmajestät und angemessen panisch im Gewittersturm. Wunderschön geriet auch das allemal schwierige Ausblenden „zur Ruh“ am Ende des Sommers. Dass sich am Sonnabend zwischendrin die Natur mit prasselndem Gewitterregen von draußen zu Wort meldete, registrierte Janz mit amüsierter Lockerheit.

Großes Glück hatte er in der Wahl der Solisten. Neben den allemal guten Maximilian Schmitt und Michael Nagy für die Tenor- und Bass-Partien glänzte vor allem Johanna Winkel mit ihrem schwere- und schlackenlos aufblühenden und zu berückendem Pianissimo fähigen Sopran. Ob Haydn das bei der noch von ihm selber geleiteten Uraufführung vor 215 Jahren vergleichbar ausdrucksstark und stimmig gehört hat, möchte man fast bezweifeln. Am Ende eines langen Feiertages, so wird berichtet, ernteten die Beteiligten dafür Ovationen.

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