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Deutsch-dänischer Schrei nach Leben

SH-Sinfoniker Deutsch-dänischer Schrei nach Leben

Während an der Grenze die Schlagbäume der europäischen Idee in den Rücken fallen, funktioniert der kulturelle Handschlag zwischen Schleswig-Holstein und Dänemark erfreulich ungehindert weiter. Gegenstand der gemeinsamen Kraftanstrengung der Flensburger SH-Sinfoniker und des Sønderjyllands Symfoniorkester aus Sonderburg war diesmal Gustav Mahlers gewaltige Zweite Symphonie.

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Mit großer Klasse am Fagott

In Flensburg eine gute Mahler-Interpretin, in Bregenz bald die neue Carmen: Lena Belkina.

Quelle: lenabelkina.com

Flensburg. Die gegen Ende des 19. Jahrhunderts in Hamburg entstandene wuchtige Auferstehungsfeier des in der „Todtenfeier“ des ersten Satzes zu Grabe getragenen Titanen überwältigte und begeisterte im gut besuchten Deutschen Haus am Donnerstag das Publikum. Generalmusikdirektor Peter Sommerer hatte trotz begrenzter Probenzeit den expressiven Geist des Werks geweckt. Zwar wirkte der Kopfsatz (vor allem in der Schlusssteigerung) noch zu festgehalten. Und es fehlte dem etwas mulmigen Andante-Menuett an graziler Schwerlosigkeit. Doch spätestens ab der wirkungsvoll ins Groteske verzerrten „Fischpredigt“ des dritten Satzes gewann die Aufführung an packend geschärftem Profil.

 Mit dem Mezzosopran Lena Belkina war eine auffällig schönstimmige Gastsängerin geladen. Die 29-jährige, die 2017 die Carmen bei den Bregenzer Festspielen singen wird, brachte das Urlicht sanft opalisierend zum Leuchten. Damit war sie (neben der kurzfristigen Sopranpartie-Einspringerin Elvira Hasanagić) Wegbereiterin einer bemerkenswerten vokalen Apotheose. Denn der stattliche Projektchor, aufgeteilt nach Frauen- und Männerstimmen auf den vorderen Seitenemporen und einstudiert von Bernd Stepputtis, überstand nicht nur die gefürchtet heikle a-cappella-Choralphase nahezu sauber und mit warmherzig raunenden Pianissimo, er zeigte auch enorme Kraftreserven im finalen Schrei nach Leben. Angespornt von GMD Sommerer, reizvoll klangräumlich gestaffelt (Fernorchester!) und angemessen auf Risiko durchgestaltet, verfehlte der große Tusch nach Klopstock seine Wirkung nicht.

 Für Mai 2017 ist ein dänisch-deutscher Schulterschluss mit Schostakowitschs Achter Symphonie geplant. Und der SH-Konzertchor soll im Monat zuvor Orffs Carmina Burana als XXL-Aufgabe bekommen.

www.sh-landestheater.de

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Ein Artikel von
Dr. Christian Strehk
Kulturredaktion

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