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Klassische Fliehkräfte: Schumann Quartett

SHMF Klassische Fliehkräfte: Schumann Quartett

In der ausverkauften Förde Sparkasse am Kieler Lorentzendamm spürte man beim SHMF-Konzert des Schumann Quartetts sofort die vereinigte emotionale Intelligenz eines durch und durch familiären Ensembles.

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Die drei Schumann-Brüder (Ken und Erik, Violine, sowie Mark Schumann, Violoncello) mit der estnischen Bratschistin Liisa Randalu.

Quelle: Kaupo Kikkas

Kiel. Wenn er von Bonn nach Wien wechsele und ununterbrochen fleißig sei, erhalte er dort „Mozarts Geist aus Haydns Händen“, war sich Beethovens Gönner sicher. Wie Recht der Graf Waldstein damit haben sollte, lässt sich besonders gut in der Königsdisziplin anspruchsvollen Komponierens, im Streichquartett nachvollziehen. Da braut sich im ersten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts in dem melodisch leicht russisch angehauchten Rasumowsky-Quartett in seiner nur vermeintlich pastoral-harmlosen F-Dur-Tonart etwas besonders kühn zusammen, was in zwei Dekaden zuvor bei Mozart und Haydn angebahnt wurde.

Das junge Kölner, aber schon 2007 gegründete Schumann Quartett ist mit dem famos brillanten Bernstein-Preisträger Erik Schumann an der strahlkräftig singenden Ersten Violine, seinem als Kontrast reizvoll gedeckter spielenden Bruder Ken, dem jüngsten Geschwister Mark am farbintensiv blühenden Cello und der wachen und motorisch wachsamen estnischen Bratschistin Liisa Randalu besetzt. In der ausverkauften Förde Sparkasse am Kieler Lorentzendamm spürte man sofort die vereinigte emotionale Intelligenz eines durch und durch familiären Ensembles, das seine Präzision nicht (allein) durch Probendrill, sondern durch ein Aufeinander-Hören und Einander-Verstehen gewinnt.

Wie da die Nachtseiten in den langsamen Sätzen von Haydns seltener gespieltem D-Dur-Quartett op. 76 Nr. 5 und Mozarts G-Dur-Klassiker KV 387 geheimnisvoll in Beziehung zu schwelgerischem Singen in Beziehung gesetzt wurden oder die Rahmensätze vor Esprit zu bersten schienen, war Kammermusik-Vergnügen pur.

Beiden Menuett-Sätzen raubten die Schumanns mit reichlich widerständigen Akzenten etwas den Tanzsatz-Charme – wohl um auch hier schon auf Beethovens besonders skurriles „scherzando“- Allegretto vorausweisen zu können. Wie da aber nach der Pause in op. 59 Nr. 1 die Brüche und abrupten Stimmungsumschwünge „in Szene“ gesetzt wurden, wie Beethovens Fliehkräfte aus der etablierten Wiener Klassik aufgegriffen und mutig verstärkt wurden, war frappierend und entsprechend aufregend. Zugabe für das begeisterte Publikum: Flügelschlag und Violin-Duo-Gezwitscher aus dem zweiten Satz von Haydns Vogelquartett op. 33 Nr. 3.

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Ein Artikel von
Dr. Christian Strehk
Kulturredaktion

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