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„Lindgrens ambivalente Figur“

Theater im Werftpark „Lindgrens ambivalente Figur“

Einen Schauspieler auf der Bühne zum Fliegen zu bringen, ist schon eine ziemliche Herausforderung. „Da muss man ganz schön um die Ecke denken“, schmunzelt Astrid Großgasteiger, „aber wir haben es hingekriegt. "Wie das genau aussehen wird im Theater im Werftpark, ist am Sonntag zu sehen; dann startet die neue Theaterleiterin mit Karlsson vom Dach in ihre erste Spielzeit in Kiel.

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Stechen und Streicheln

„Wir wollen den Spielzauber zeigen, nicht die große Illusion“: Theaterleiterin Astrid Großgasteiger und Ausstatter Karl-Heinz Steck.

Quelle: ehr - Marco Ehrhardt

Kiel. „Was ich an Karlsson mag?“, überlegt die Regisseurin, die bis zum Sommer die junge Sparte am Salzburger Landestheater leitete, „dass er eine so ambivalente Figur ist. Unter den Helden, die Astrid Lindgren erfunden hat, ist er der anarchischste. Er nimmt Regeln wörtlich, und er bricht sie, wenn sie ihm nicht passen. Vor allem aber fragt er immer, ob etwas so sein muss. Und das ist ja auch Lillebrors Kampf.“ Und dass der kleine Mann mit dem Propeller auf dem Rücken, der plötzlich im Kinderzimmer des siebenjährigen Lillebror landet, dabei ziemlich selbstverliebt, rechthaberisch und unzuverlässig ist? „Das ist doch gar nicht unrealistisch …“

 Ein Familien- und ein Ensemblestück hat Astrid Großgasteiger zum Einstieg gesucht und ist erst bei der über viele Generationen beliebten Kinderbuchautorin (1907-2002) und dann – obwohl ihr Lindgren-Lieblingsbuch eigentlich Ronja Räubertochter ist – bei dem „besten Streichemacher der Welt“ gelandet. „Es ist außerdem die einzige Geschichte von Astrid Lindgren, die eine urbane Kulisse hat. Das erschien mir für Kiel passend.“ Drei Karlsson-Bücher hat die Schwedin von 1955 bis 1968 geschrieben, 1974 wurde er in der Verfilmung von Olle Hellbom zur Kultfigur im Kinderfernsehen. Und das Theaterstück, das ein paar Versatzstücke aus Band zwei und drei in die Urgeschichte einbaut, hat Astrid Lindgren selbst verfasst.

 „Viel verändern mussten wir da nicht“, sagt Astrid Großgasteiger und verweist außerdem darauf, dass die Lindgren-Erben auch großen Wert auf Werktreue legen. „Modernisiert haben wir vor allem die innere Haltung der Figuren und die Familienstrukturen.“ Am wichtigsten war der Regisseurin, die Kinder aus der Vergangenheit und auch Karlsson ins Heute zu holen. An die Figuren geht sie „ganz realistisch-psychologisch“ ran und hat die Sprache zeitgemäß angepasst, während Karlsson seine eigenwillig altmodische Kunstsprache und Wörter wie „schabernacken“ oder „tirritieren“ weiterverwendet. Aber rappen darf er auch – zu der Musik, die der Berliner Hip Hopper Juse Ju (Yo! Hip Hop hat mein Leben zerstört) eigens geschrieben hat. „Musik ist mir immer wichtig auf der Bühne“, so Großgasteiger, „sie gibt der Figur eine Richtung vor.“

 Ansonsten hat die 36-Jährige gar nichts dagegen, dass man auch sieht, dass hier Theater gemacht wird: „Wir wollen den Spielzauber zeigen, nicht die große Illusion.“ So arbeitet Ausstatter Karl-Heinz Steck, der in Salzburg im Juni noch Großgasteigers Arielle ausstattete, auf der Werftpark-Bühne mit einfachen Versatzstücken, in denen die Wohnung von Lillebrors Familie wie auch das Gefühl über den Dächern der Stadt erkennbar werden sollen. „Ich wollte keine Häuserkulisse nachbauen“, sagt er, „ich arbeite mit dem Podest auf der Bühne. Und schon habe ich eine Skyline.“ Und Großgasteiger ergänzt: „Wir spielen in großer Höhe. Wenn die Einbrecher da oben herumturnen, kommt die Action von selbst ins Spiel.“

www.theater-kiel.de

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