13 ° / 9 ° Regenschauer

Navigation:
Zweifel, Gier und Herdentrieb

Werkstatt-Theater: Zweifel, Gier und Herdentrieb

Das Stück ist einfach unkaputtbar. Friedrich Dürrenmatts unbequem-spannende Tragikomödie "Der Besuch der alten Dame" wurde vom Werkstatt-Theater aufgeführt - und bei der Premiere in der Niederdeutschen Bühne am Wilhelmplatz vom Publikum begeistert aufgenommen.

Voriger Artikel
Bezwingende Ausstrahlung
Nächster Artikel
Kieler Kunsthalle gibt Gemälde an Russland zurück

Szene aus Dürrenmatts "Besuch der alten Dame" mit (v. li.) Lina Arens, Peter Rösch, Felicia Engelhardt. Anja Brandtner, Tina Süphke und Claus Rösler.

Quelle: Marco Ehrhardt

Kiel. Das Motto: Weniger ist mehr: Ohne großen theatralischen Budenzauber formuliert Regisseur Jörn Arens die Geschichte. Damit konzentriert er sich bewusst ganz und gar auf die zeitlose dramaturgische Wirkung dieses 1956 in Zürich uraufgeführten Meisterwerks. Das Stück spielt in einer Kleinstadt in der Nähe der deutsch-schweizerischen Grenze. Die Milliardärin Claire Zachanassian (Silke Arens), die früher Klara hieß und durch mehrere Ehen sehr vermögend geworden ist, will Rache an ihrem ehemaligen Geliebten Alfred Ill (Friedrich Caesar) nehmen.

Das zwölfköpfige Ensemble erfüllt seine Aufgabe großartig. Das Zweifeln, zuweilen das Mitleid, aber auch der Egoismus, die Gier und nicht zuletzt der fatale Herdentrieb, den eine Gesellschaft befällt, werden hier ohne Übertreibung, aber dennoch sehr eindringlich zur Schau gestellt. Am Ende denkt eben jeder an sich selbst. Arens nimmt sich Zeit fürs Erzählen, baut gerade vor der Pause einen unaufgeregten, wirkungsvollen Spannungsbogen auf und bringt diesen Klassiker mit Cleverness, Witz und sicheren Gespür für die Qualität der Vorlage souverän und unterhaltsam über die Bühne.

Weitere Vorstellungen: 6. und 7. Oktober, Bürgerhaus Kronshagen; 3. und 4. November Hansastr. 48 (je. 20.Uhr). www.werkstatt-theater-kiel.com

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nachrichten: Kultur 2/3