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Vom Spiel mit dem Ungefähren

„Das Wintermärchen“ hat am Freitag Premiere Vom Spiel mit dem Ungefähren

Ein eifersüchtiger König, der seine schwangere Frau aufgrund falscher Verdächtigungen in den Kerker werfen und ihre neugeborene Tochter aussetzen lässt, zupackende Dienstboten, die das Schlimmste verhindern und zum märchenhaften Schluss ein wundersames Happy End: Shakespeares Wintermärchen ist Tragödie und Komödie zugleich, ein Stück über Despotismus, Machtmissbrauch und jede Menge romantischer Gefühle.

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Arbeit an einem „erwachsenen Märchen“: Regisseur Daniel Karasek, Kostümbildnerin Claudia Spielmann und Dramaturg Jens Paulsen (von rechts).

Quelle: ehr - Marco Ehrhardt

Kiel. Mit dem zeitlichen Sprung von 16 Jahren zwischen dem ersten und dem zweiten Teil ist das 1610 entstandene Alterswerk des englischen Dichterfürsten nebenbei unerhört modern. „Für Theatermenschen hat dieses Stück einen unerhörten Reiz“, sagt Daniel Karasek. Mit seiner achten Kieler Shakespeare-Inszenierung läutet der Generalintendant die neue Spielzeit am Schauspielhaus ein.

 Das ausgeklügelte Spiel der Gegensätze plausibel auf die Bühne zu bringen, sieht er durchaus als Herausforderung, nicht zuletzt, weil die zeitliche Lücke zwischen der Geburt der Tochter, die bei Schäfern in Böhmen aufwächst, und ihrer Heimkehr nach Sizilien als Braut des böhmischen Prinzen auch Leerstellen zum Verständnis lassen. Einen groben Überblick auf das Gewesene gibt Shakespeare zu Beginn des zweiten Teils durch das Auftreten der personifizierten Zeit. „Dennoch bleibt dem Zuschauer die Notwendigkeit des Entdeckens und Dechiffrierens nicht erspart“, so der Regisseur. „Shakespeare hatte Spaß daran, die Leute irrezuführen, weil er immer etwas macht, was man nicht erwartet. Das Spiel mit der Erwartungshaltung, der Täuschung und der abenteuerlichen Zusammenführungen sind ein Merkmal diesen Stückes.“ So spielt der erste Teil des Dramas in einem winterlich kalten Sizilien, der zweite trägt sich zu in einem Böhmen, das erstaunlicherweise am Meer liegt. „Der Autor spielt mit den Dingen, die wir kennen, indem er die Welt einfach ein bisschen umdreht“, sagt Karasek und lässt keinen Zweifel daran, dass genau dieses Spiel mit dem Ungefähren ihm gefällt. „Ich glaube nicht, dass es einen Schlüssel für die Lösung diese Stückes gibt. Es wird sich von Aufführung zu Aufführung verändern, denn es geht auch um ein Spiel mit der Zeit und darum, wie wir uns verändern. Man kann da einfach kein perfektes Ende finden.“

 Jens Paulsen nennt Das Wintermärchen „im besten Sinne postmodern“ – nicht nur wegen der Mischung der Gattungen und Stile. „Shakespeare offenbart hier neben einer geradezu anarchischen Spiellust auch eine große Freude am Selbstzitat“, so der Dramaturg. Und wo bleibt bei alledem das Märchen? „Es ist ein erwachsenes Märchen, ein fantastisch-verrücktes Spiel ohne Weihnachtsmärchen-Ästhetik“, sagt Daniel Karasek. Mit Chiharu Shiota hat er (wie 2014 bei Tristan und Isolde) für die Bühnengestaltung eine Performance-Künstlerin gewonnen, deren Installationen abstrakte, assoziative Räume öffnen. Für sie wie für Kostümbildnerin Claudia Spielmann gilt der Grundsatz Weniger ist Mehr: „Denn die Fantasie wird viel eher beflügelt, wenn man nicht alles bebildert.“

Schauspielhaus Kiel. Premiere am Freitag, 20 Uhr, Sonnabend, 20 Uhr. Karten: Tel. 0431 /901901, www.theater-kiel.de

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