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Von Meeren und Menschen

Cinemare-Bilanz Von Meeren und Menschen

Mehr Meer geht nicht: Mit dem Schifffahrtsmuseum und der Landesbibliothek lagen gleich zwei Spielorte direkt an der Förde – zwei von von sieben, an denen am Wochenende beim internationalen Meeresfilmfestival Cinemare 40 Filme gezeigt wurden.

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Erleichtert den Hafen erreicht: die Crew von Cinemare (v.l.) Barne Peters, Katja Gennart, Till Dietsche, Norbert „Neptun“ Aust, Jan-Per Sellmer, Tom Körber und Eva Strehler.

Quelle: Foto: Michael Kaniecki

Kiel. Warum auf die „ebenso naheliegende wie geniale“ Idee, Meeresfilme in Kiel zu zeigen, noch niemand vorher gekommen war, hatte sich schon Schirmherr und Oberbürgermeister Ulf Kämpfer bei der Eröffnung gewundert. Für Stadtpräsident Hans-Werner Tovar, der am Sonntag mit Unterstützung des Meeresgotts Neptun (Norbert Aust) die fünf Preise überreichte, ist Cinemare wie das sprichwörtliche „Eulen nach Athen tragen“.

 Gelungen ist beides, die Umsetzung der Idee und der Filmblick von außen, den die Macher auf die Meere und ihre Bewohner warfen. Dennoch: Hart am Wind habe „die kleine Crew ein recht großes Schiff“ gesegelt, resümiert Festivalmacher Till Dietsche sichtlich erschöpft, aber auch erleichtert, all die Stürme orga-navigatorischer und technischer Art gemeistert zu haben. Auch die Mitkuratoren Jan-Per Sellmer und Tom Körber zeigen sich sturmgebeutelt und „um gefühlte zehn Jahre gealtert“. Aber dass bei der Jungfernfahrt eines „so großen Festival-Kahns“ noch nicht jede Halse gelingt, habe man locker abgewettert.

 Die Besucherzahl lässt sich am Abschlussabend nur grob als „sicher im vierstelligen Bereich“ schätzen, so Dietsche. „Die Kieler haben Cinemare angenommen“, freut er sich, nicht minder über die zahlreichen Unterstützer und Sponsoren, die das Meerfilmfest erst ermöglicht hätten. Im nächsten Jahr werde hoffentlich weiter über die Meeresfilmwellen gesegelt, doch „dazu müssen wir noch manch’ neue Matrosen anheuern“.

 An Bord waren schon jetzt so viele beeindruckende Filme, dass die vier Jurys keine leichte Wahl hatten. Den Begriff „Seefahrer“ fasste die Seefahrerfilmpreis-Jury bewusst weiter als „Menschen, die durch das Meer geprägt werden“, und vergab neben einer lobenden Erwähnung für The Weekend Sailor den Preis an Jago – Der alte Mann und die Tiefsee von James Reed. Er zeige im „slow motion Re-Enactment“ (grandiose Unterwasserkamera: James Morgan), wie sich ein 80-jähriger Fischer auf Bajau die Unterwasserwelt eroberte und dem Meer wie sich selbst buchstäblich auf den Grund und in seine Eigenzeit tauchte.

 Die Meeresschutzfilm-Jury lobte mit Plastic Free Island Kefalonia einen Film über eine Initiative zur Reduzierung des Plastikmülls in den Ozeanen und zeichnete mit Shark Girl von Gisela Kaufmann eine Doku über die australische Hai-Schutz-Aktivistin Madison Steward aus. Der Meeresnaturfilmpreis ging an Jess Hansens Land unter auf Hallig Hooge – vor allem für die Geduld des schleswig-holsteinischen Filmemachers, „sechs Jahre auf ein so brenzliges Naturereignis zu warten“. Bei den Meereskurzfilmen lobte die Jury den poetischen Kurzfilm The Tide Keeper über einen Seemann, der alptraumhaft am Plastikmüll im Strandgut erstickt, und bepreiste Fishing Without Nets von Cutter Hodierne, einen dokumentarischen Spielfilm über Piraten vor der Küste Somalias.

 Der Publikumspreis teilte sich zwischen lokal und global auf: Gleiche Präferenzen erhielten Karsten Wohlrabs mareTV-Beitrag Kieler Förde – Meerjungfrauen, Mini-Wale und Matrosen, der am 1. September in N3 zu sehen ist, und The Weekend Sailor von Bernardo Arsuaga.

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