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Wuchtig hallender Psychotrip

Death Hawks in der Schaubude Wuchtig hallender Psychotrip

Es ist für alle sichtbar die Tür des Backstageraums, es hätte jedoch auch die umnebelte Luke einer Zeitmaschine sein können, durch die das finnische Quartett Death Hawks die Schaubude betritt.

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Wie aus der Zeitmaschine: Death Hawks in der Schaubude.

Quelle: kpb:KAI-PETER BOYSEN

Kiel. Sänger und Gitarrist Teemu Markkula trägt ein Shirt, das auch als Minirock durchginge, die spindeldürren Beine sind in schwarzes Leder gezwängt und auf dem Kopf thront eine lockige Ponyfrisur, die es heute eigentlich nur noch als Perücke für Retro-Parties gibt. Langhaarig im Hippiehemd erscheinen Bassist Riku Pirttiniemi und Drummer Miika Heikkinen, lediglich Keyboarder Tenho Mattila scheint ein regelmäßiger Friseurbesucher zu sein. Er entlockt seinen diversen (Synthie-) Tasteninstrumenten die ersten wabernden Töne und die Reise in die 60er sowie frühen 70er geht mit Hey Ya Sun Ra los. Ob es eine Reminiszenz an den sehr schrägen Jazzmusiker Sun Ra ist, lässt sich nur erahnen. Es gibt erste psychedelische Momente, aber der Song ist, wie viele Werke der Death Hawks, getragen von einem hallenden Gitarrenthema, das Markkula in seiner bevorzugten Mischung aus Plektrumspiel und Fingerpicking kreiert.

 Death Has No Reprieve vom 2012er-Debütalbum Death & Decay offenbart erstmals die Boogie-Begeisterung der Band. Ripe Fruits vom aktuellen Album Sun Future Moon groovt in filigranem Uptempo ganz ausgezeichnet, Finger-Hammerings und Picking in hallendem Sound, Pianotupfer von Tenho Mattila, der auch gelegentlich zum Saxofon greift, dazu passend ertönen die sphärischen Stimmen von Markkula und Bassist Pirttiniemi.

 Nach dem ruhigen Dead Man, das zum wiederholten Male an The Doors gemahnt, greift Drummer Heikkinen zu Schlägeln, wechselt zu Sticks und trommelt schließlich perkussiv mit Stick und Rassel durch Cain Go Home. Keyboardfanfaren, Orgelsound, psychedelische Krautrockausflüge, dabei sitzt das Rhythmusfundament immer bombenfest.

 Die Band, die 2010 ursprünglich nur zusammenkam, weil Teemu Markkula Musiker für seine selbstkomponierten Songs suchte, ist bestens eingespielt. Ihr selbstbetiteltes, zweites Album Death Hawks war in den Top Ten der Nominierten für den „Nordic Music Prize 2013“ und die Emma, den finnischen Grammy. Von diesem Album kommt mit Shining auch der stärkste Song des Abends. Ein mantrenartig eingehämmerter Akkord, lässig gezupft, Bass-Barrégriffe, ein wuchtig hallender Psychotrip, der jedoch nie ausufert, sondern mit rockigen Betonungen immer die Spur hält. Dem folgt mit dem Zehnminüter Black Acid das mit ähnlichen Zutaten bereitete Sahnehäubchen. Die Band hätte wesentlich mehr Publikum verdient und gibt Kiel hoffentlich eine zweite Chance.

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Ein Artikel von
Kai-Peter Boysen

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