23 ° / 12 ° Regenschauer

Navigation:
Volkstheater und Comedy gut gemixt

Badesalz im Kieler Schloss Volkstheater und Comedy gut gemixt

34 Jahre haben sie sich Zeit gelassen, jetzt gastierte das hessische Komiker-Duo Badesalz endlich auch in Kiel und fast 500 Zuschauer kamen zu „Dö Chefs“ ins Kieler Schloss. Badesalz, das sind Henni Nachtsheim und Gerd Knebel.

Kiel. Seit Anfang der Achtzigerjahre sind die beiden auf Bühne, Bildschirm oder Leinwand unterwegs und die Tatsache, dass es sie bisher nicht in den Norden geschafft haben, liegt wohl an der vermuteten Sprachbarriere. Unbegründet, denn das Publikum, dass sicher nicht nur aus Exil-Hessen besteht, amüsiert sich prächtig.

 In ihrem neuen Zwei-Mann-Comedytheaterstück Dö Chefs geht es um die Kneipiers Paul (Knebel) und Henry (Nachtsheim), deren benachbarte Kaschemmen „Paul’s Texas Pub“ und „Beim Henry“ eine „leichte Zulaufkrise“ durchmachen müssen. Nach gegenseitigen Beschimpfungen und Beleidigungen kommt man zur Einsicht, dass eine Fusion helfen könnte. Die so entstehenden Gedankenspiele driften in klassischer Badesalz-Art in bisweilen abstruse Gefilde ab und ziehen ihren Reiz aus dem Tempo und den unterschiedlichen Charakteren: Paul ist ungeduldig, aufbrausend und hat durchaus boshafte Tendenzen, während sein Widerpart Henry moderat, gutmütig und rational auftritt.

 Sie kreieren spannende Spielszenen, in denen die beiden ihre Speisekarte sprachlich aufpeppen (Senf wird zu „goldgelber Edelmarinade“), über Tattoo-Wahn oder Eventgastronomie lästern („Da ist ein Jonglierball in die Markklößchensuppe gefallen, der Typ wär’ fast erstickt“) oder kulinarisch motiviert und durchaus hintersinnig von einer „in Hongkong geborenen Schwäbin“ aus dem 3D-Drucker schwärmen.

 Beide eint eine gewisse Naivität, das führt zu einer schönen fiktiven Rede Henrys bei der Oscar-Verleihung, in der er sprachlich brisant („English is my second home speech“) die Vorzüge hessischer Lebensart anpreist. „Dö Chefs“ ist eine gute Mischung aus Volkstheater und Comedy, die nur selten ins Platte driftet, dafür aber mit vielen schönen Ideen aufwartet – wie den Spanischkurs vom Band, der ein Eigenleben entwickelt, den ganzen Saal zum Nachsprechen zwingt und sich dann, weil das Ergebnis nicht befriedigt, selbst zerstört.

 Dennoch wird alles gut, denn Paul und Henry wandern nach Spanien aus und die „Dos Cheffos“ legen noch ein paar feine musikalische Einlagen wie eine a cappella Version von Pharrell Williams’ Happy oder ein rasantes Cover von Daft Punks Get Lucky mit Gitarre und Saxofon auf die Bretter. Langer Applaus. Sie wollen wiederkommen.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Testen Sie die KN

Digitales Abo, ePaper,
klassische Tageszeitung
online buchen & testen!

Sagen Sie es uns!

Vorschläge oder Kritik?
Schreiben Sie
der Redaktion!

Anzeige
ANZEIGE
Mehr aus Nachrichten: Kultur 2/3