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Casalquartett: Reißbrett vor Spundwand

Mozart-Konzert Casalquartett: Reißbrett vor Spundwand

Schmerzlich reiben sich die Dissonanzen am Beginn von Mozarts Streichquartett KV 465 aneinander, bevor doch noch die C-Dur-Sonne aufgeht. Zur Eröffnung der Mozart-Konzert-Saison ist das aktuell mit dem Echo-Klassik- und Deutschen Schallplattenkritik-Preis gekrönte Schweizer Casalquartett angereist.

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Instrumente des berühmten Tiroler Geigenbauers Jacobus Stainer (ca. 1619 bis 1683) brachte das Züricher casalQuartett zum 1. Mozart-Konzert der Musikfreunde Kiel mit. Ungewöhnlich dabei ist, dass die verschiedenen Instrumente aus einer Werkstatt stammen, denn normalerweise spezialisierten sich die Handwerkskünstler auf eine Größe. Mit ihrem historischen Instrumentarium hat das Ensemble einen einzigartigen Quartettklang entwickelt.

Quelle: Lutz Jaekel

Kiel. Zwischen feinnervig und nervös nehmen die Geiger Felix Froschhammer und Rachel Späth sowie die Fleck-Zwillinge Markus (Viola) und Andreas (Violoncello) das vorgeschaltete Adagio ungewöhnlich schnell und treiben dann ihre ziselierte Klangrede Satz für Satz auf die Spitze. Schon im Vorbild, Haydns C-Dur-Quartett op. 33 Nr. 3, wirkt jeder Vogelruf, jede Motivwendung, jeder Akzent und jeder Melodiebogen wie auf dem Reißbrett nachgezeichnet.

Ob die von den Musikern gewünschten Spundwände, die den Durchblick auf den Altar verstellen, dabei tatsächlich die Entwicklung einer reichen Farbpalette begünstigen, möchte man bezweifeln. Überhaupt sind es gerade nicht die Farbkontraste, die ihre schwebungsarm gehaltene Kunst auszeichnen. Das liegt auch am spektakulären Instrumentarium, das die Züricher Musiker immer mal wieder von einer Stiftung geliehen bekommen: Die vier Streicher-Korpusse des geheimnisumwitterten Geigenbaumeisters Jacob Stainer folgen ein und derselben Klangästhetik. Da tönt die Bratsche eher wie eine dritte Violine, bleibt auch das Cello näselnd schlank.

Als Rahmen des mit anhaltendem Applaus bedachten Konzerts in der für reine Kammermusik wirklich gut besuchten Nikolaikirche führen die Opus-5-Raritäten des Mannheimer-Schule-Komponisten Franz Xaver Richter ins ungreifbare Reich zwischen Spätbarock und Wiener Klassik. Hier passen der manchmal ins maniriert Zickige kippende Casal-Stil und der homogen historisierende Darmsaiten-Klang des Instrumentensatzes aus dem 17. Jahrhundert tatsächlich auch besonders gut.

www.casalquartett.ch

www.musikfreunde-kiel.de

Von Strehk

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