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Orpheus auf Heimatsuche: Benjamin Appl

SHMF Orpheus auf Heimatsuche: Benjamin Appl

Es gibt Konzertabende, da kommt man aus dem Staunen nicht heraus. Deutschlands vielleicht hoffnungsvollster „Rising Star“ der Gesangskunst, der Bariton Benjamin Appl, verfügt über eine Stimmschönheit, bei der einem die in unserer Sprache ohnehin begrenzten Jubelvokabeln ausgehen.

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Kommt im Oktober zu den Streiber Meisterkonzerten ins Kieler Schloss: Bariton Benjamin Appl.

Quelle: Lars Borges

Flemhude. Schon die Mittellage des 35-Jährigen Regensburgers hat eine samtige Sonorität, die ihresgleichen sucht. Und dann dieses bruchlose Hinübergleiten ins resonanzstarke, aber zugleich zu schwebenden Pianissimi fähige Kopfregister – hinreißend!

Das alles wäre aber nur „L’art pour l’art“, wenn Appl seinen vielgestaltig um das Thema „Heimat“ kreisenden Liederabend in der ausverkauften Flemhuder Kirche nicht zugleich minutiös mit Bedeutung aufladen würde. Und das weniger im Sprachspiel mit Konsonanten, sondern im Legatostrom der reich schattierten Vokale. Hier wird tatsächlich gesungen, nicht nur im Sinne von Klangrede melodiös skandiert.

Sehr hellhörig, manchmal fast eine Nuance zu dezent begleitet von James Baillieu spannt Appl einen erstaunlich stimmigen Bogen von Schubert bis zu Schrekers irrlichterner Naturmystik (Waldeinsamkeit) und Wolfs nachtfahlem Pessimismus (Verschwiegene Liebe). Vom federleichten Volkslied bei Brahms schafft es dieser Orpheus sogar, eine Salon-Schmonzette des in Auschwitz ermordeten Adolf Strauss geschmackvoll einzubinden. Prachtvollen Ausflügen ins englische Repertoire steht schließlich eine überragend feingestufte Interpretation von Griegs vielleicht besten Liedern (op. 48) gegenüber. Ein Traum – nicht nur als Titel. Dem großen fanzösischen Bariton Gérard Souzay ebenbürtig: Appls Beitrag zum Komponistenschwerpunkt mit den späten Ravel-Liedern des Don Quichotte.

Von Christian Strehk

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