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Benjamin Appl: Sinnbindung im Kunstlied

Streiber Meisterkonzert Benjamin Appl: Sinnbindung im Kunstlied

„Sprache und Musik führen im Kunstlied eine Ehe, die nicht immer funktioniert. Es ist aber gerade das Spannende an dieser Gattung, wie weit man in die eine oder andere Richtung gehen kann.“ Der Bariton Benjamin Appl will im Kieler Schloss sein CD-Programm "Heimat" vorstellen.

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Sänger und Mentor: Der deutsche Bariton Benjamin Appl mit dem britischen Liedpianisten Graham Johnson.

Quelle: Lars Borges

Kiel. Man geht tatsächlich nicht fehl, wenn man den 35-jährigen Sony-Classical-Exklusivkünstler zu den aktuellen Top Ten der Liedkunst zählt. Als Münchner und Augsburger Student der legendären Edith Wiens war dies bereits vorgezeichnet und wurde gefestigt, als er zum letzten Intensivschüler von Dietrich Fischer-Dieskau avancierte. Auffällig ist Appls Fähigkeit, die lyrischen Texte auf einem Legato-Strom der Töne zu binden, während Kollegen oft im kurzphrasigen „Absprechen“ der historisch informierten Klangrede die stimmliche Linie verlieren. „Tatsächlich war genau das ein Schwerpunkt meiner Arbeit mit Fischer-Dieskau“, so Appl. „Bei mir beginnt diese Ausrichtung schon mit dem wiederholten Hinschreiben des Textes, bis ich ihn auswendig kann. Ich versuche so, die Struktur des Textes zu entdecken, lange Bögen, Wiederholungen und Zusammenhänge in ihm bewusst zu erfassen, seine individuelle Verve zu packen. Dann wird oft deutlich, wo man über Phrasen hinweg durch eine Legato-Linie bis zum Schluss Sinnbindung herstellen kann.“

Auf Anregung seines heutigen Mentors, des britischen Liedpianisten und -(wieder)entdecker Graham Johnson, will der Sänger seinen Horizont und sein Repertoire in diesem Sinne ständig weiten. Im ersten Streiber-Meisterkonzert der Saison wird Appl am 12. Oktober im Kieler Schloss beim Stichwort „Heimat“ mit dem Pianisten James Baillieu zwar an die aktuelle CD und sein diesjähriges SHMF-Konzert in Flemhude anknüpfen, aber doch einige Programmänderungen vornehmen.

Was die Oper angeht, hat Appl sofort Mozart im Sinn: den Figaro-Grafen, Guglielmo aus Così fan tutte. Auf der Wunschliste steht aber auch schon der Don Giovanni und die herrliche Bariton-Partie in Korngolds Toter Stadt. Im Konzertbereich tummelt er sich seit langem. An der Hamburgischen Staatsoper singt er die Bass-Partie in John Neumeiers Ballett-Adaption von Bachs Weihnachtsoratorium: „Eine wirklich interessante Erfahrung, denn das Auge ist ja stärker als das Ohr. Und wenn man die Tänzer neben sich hat, muss man künstlerisch darauf reagieren, damit die Bewegung spannender Zusatz und nicht Ersatz der Musik wird.“ Bach hat das ehemalige Mitglied der Regensburger Domspatzen geprägt, jedoch eher die A-cappella-Motetten. „Immerhin habe ich aber mal den WO-Eingangschor unter Zubin Mehta mit den Domspatzen gesungen“, erinnert sich Appl.

Seiner wachsenden Popularität könnte das geplante ZDF-Adventskonzert einen weiteren Schub geben, wenn er im Dezember in der Dresdner Frauenkirche unter der Leitung von Christian Thielemann an der Seite von Koloratur-Star Diana Damrau die Mendelssohn-Choralkantate Vom Himmel hoch und das Duett von Adam und Eva aus Haydns Schöpfung im Fernsehen singt.

Liederabend „Heimat“: 12. Oktober, 20 Uhr, Kieler Schloss. Karten: 0431 / 91416. Internet: www.streiber-kiel.de

Von Strehk

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