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Zwölf mächtige Klangadern

SHMF: Festivalchor Zwölf mächtige Klangadern

Der größte Coup in Zugabe zwei: Da umringten die hundertköpfigen himmlischen Heerscharen des SH Festival Chores die begeisterten Zuhörer im Mittelschiff des Lübecker Doms und wiederholten Josef Gabriel Rheinbergers vielgesungenes, aber nicht oft so eindringlich resonanzstark strömend gelungenes Abendlied.

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Westerngitarre zu sachten Wellen

Starkes Fundament: Nicolas Fink und die Männerstimmen des Festivalchores im Lübecker Dom

Quelle: Axel Nickolaus

Lübeck. Im Hauptprogramm waren gleich alle Drei geistlichen Gesänge op. 69 des Münchner Hochromantikers erklungen – mit einer unablässigen Legatodichte und -intensität, wie man sie nur mit guten Stimmen und groß besetztem chorischem Atem erreicht, allerdings auch akustisch ein wenig gefangen im Chorrund des Domes. Da braute sich auf der beengten Bühne im Westwerk der Backstein-Kathedrale mehr zusammen, als im überakustischen Mittelschiff tatsächlich ankam. Das zeigten besonders die hinreißend brausenden und dann lange verschwebenden Schlussakkorde etwa von Rheinbergers Hymne

Der Kern des wieder riesigen Festivalchores, durch neuerliche Qualifikationsvorsingen noch einmal klanglich homogener austariert, überzeugte am Sonnabend mit einem höchst anspruchsvollen A-cappella-Programm. Nicolas Fink, der Schweizer Spiritus Rector am Pult, wagte im Gedenkjahr für den Komponisten Max Reger nicht nur das heikle chromatische Gleiten in dessen farbenreichen Sechsstimmigen Chören op. 39, er hatte auch den Mut, dem maximal ambitionierten Laienkollektiv der Chorakademie das Vater unser „für drei vierstimmige gemischte Chöre a cappella“ zuzutrauen. Das in zwölf Klangadern sich komplex verzweigende Gebetsgeflecht pulsierte, trotz kleiner Irritationen im kontrapunktischen Kampf um das täglich Brot jeden Chorsängers, mit ausdrucksstarker Kraft und manch luziden Nuancen.

Welches Potenzial in den auch um Textpräsenz bemühten Sängern steckt, zeigten besonders die eingestreuten, von Clytus Gottwald so kongenial für Chor anverwandelten Gustav-Mahler-Lieder Um Mitternacht, Es sungen drei Engel und Urlicht – letzteres als erste Zugabe und mit seinem Notruf und Erlösungsleuchten ganz besonders schön und eindringlich. Da schwoll das beachtlich sonore Bassfundament an und blitzten gekonnt gerundete Extremhöhenflüge im Sopran auf. Da fügten sich Alt und Tenor als wendige Mittelstimmen geschmeidig ein. Und da signalisierte Fink trotz der akustisch schwierigen Rahmenbedingungen mit einer energisch eingeforderten Tempo- und Klangfarbenvariabilität ein Jahrgangsniveau, das für den SHMF-Abschluss mit Haydns Schöpfung in Kiel Bestes erwarten lässt.

www.shmf.de

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Ein Artikel von
Dr. Christian Strehk
Kulturredaktion

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