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Kunstvermittler mit Bodenhaftung

Gerisch-Stiftung Neumünster Kunstvermittler mit Bodenhaftung

Claus Friede atmet kurz durch, als er das Jubiläumsprogramm auf den Tisch legt. Geschafft! Und das in knapper Frist, denn der 55-jährige Hamburger ist erst zum Jahresende 2015 als neuer Künstlerischer Leiter der Gerisch-Stiftung verpflichtet worden, die inzwischen 15 Jahre besteht.

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Gut vernetzt und direkt an den Menschen vor Ort: Kurator Claus Friede.

Quelle: Foto: Björn Schaller

Neumünster. Nach dem Weggang von Martin Henatsch und einer Interimszeit musste das programmatische Geschäft dringend wieder in erfahrene Hände gelegt werden. Zu sagen, dass der Name Claus Friede im Kunstbetrieb eingeführt sei, gilt wohl eher als Understatement. Seit 1990 konzipiert und kuratiert der gebürtige Essener mit Kunststudium (unter anderem bei dem Bildhauer Franz Erhard Walther) unter dem Label „Claus Friede Contemporary Art“ mit Sitz in Hamburg nicht nur Kunstprojekte, sondern auch Design- und Architektur-Ausstellungen. Diese Unabhängigkeit war Voraussetzung für sein Engagement in der Gerisch-Stiftung, das vorerst bis Ende 2016 befristetet ist.

 „Ich arbeite in Neumünster als freier Künstlerischer Leiter auf Honorarbasis“, sagt Friede. Ein Konstrukt, dass der Stiftung und ihrem durch spärliche Zinserträge übersichtlich gewordenen Budget entgegenkommt und gleichzeitig den schönen Nebeneffekt hat, dass sie von Friedes Netzwerk profitiert. Das nämlich hat eine hohe Reichweite. Internationale Künstlerkontakte sind das eine, Vermittlungsaufgaben an der Elbe als Chefredakteur des Web-TV kulturport oder der regelmäßig ausgerichtete Kulturklub, zu dessen Gastgeberteam er zählt, das andere. Mit der Professur für digitale Kommunikation und Medienmanagement in Riga ist noch lange nicht Schluss – der Familienvater mit Wohnung in Eppendorf ist offenbar gut organisiert.

 Ist da noch Raum, um sich in Neumünster zu verorten? Der unkomplizierte Umgangston im Gerisch-Team zerstreut solche Zweifel. „Hier in der Stiftung bietet sich mir die Möglichkeit, Projekte zu verwirklichen, die schon lange in meinem Kopf sind“, sagt Friede und nennt die anstehende Sommerausstellung unter dem Titel Friendly Footage, die Bezüge zwischen aktueller Kunst und dem Genre Spielfilm herstellt. Im Rahmen der Ausstellung sollen nicht nur Kunstfilme im neu eingerichteten Kino gezeigt, sondern auch ein Picknick im Park veranstaltet werden, bei dem Lieblingsfilme der Besucher die eigentlichen Stars sind. Solche Bodenhaftung mag Claus Friede. Kataloge, sagt er, wird es 2016 nicht geben: „Wir nehmen lieber die Mittel in die Hand, um direkt an die Menschen vor Ort zu kommen.“ In Neumünster hat er längst seine Fühler ausgestreckt, aber auch die Hamburger hätten ja inzwischen begriffen, dass es hier mehr gibt als das Outlet-Center: „Wir sind gut in den Verteilern und inzwischen kommen 25 bis 30 Prozent unserer Gäste aus Hamburg.“

 Gilt sie noch, die Programmlinie der Stiftung, die der Vorgänger Martin Henatsch zwischen Idylle und Arkadien angesiedelt hatte? „Das ist noch nicht ausgereizt, sagt Friede. Aber totreiten möchte er das Thema nicht. Ideen für 2017/18 sind da. Aber jetzt liegt das Jubiläumsjahr vor ihm und ab 13. März die Ausstellung Für Augen und Ohren, die Rainer Haarmanns Vinyl-Label Edition Longplay und dessen Bezug zur aktuellen Kunst in den Blick nimmt.

www.gerisch-stiftung.de

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