27 ° / 11 ° heiter

Navigation:
Sanfter Zauber des Horns

SHMF: Bernstein Award für Felix Klieser Sanfter Zauber des Horns

Zwei gute Gründe hat Felix Klieser nach eigener Aussage, um jeden Morgen aufzustehen: sein eigenes Horn-Spiel weiter zu verbessern und sein geliebtes Instrument im Musikleben populärer zu machen ... Für diesen Ehrgeiz erhielt er jetzt beim SHMF den Leonard Bernstein Award 2016.

Lübeck Willy-Brandt-Ufer 53.865467 10.686559
Google Map of 53.865467,10.686559
Lübeck Willy-Brandt-Ufer Mehr Infos
Nächster Artikel
Wickie und der Weltschmerz

Töne zum Genießen: Felix Klieser bedient sein seit frühester Kindheit geliebtes Horn mittels einer Spezialkonstruktion.

Quelle: Axel Nickolaus

Lübeck. Ersteres mag aus seiner Sicht nötig sein. Wir Hörer sind allerdings schon jetzt hingerissen von der sanft getönten Schönheit seines Tones und der mühelosen Virtuosität, die er in Haydns D-Dur-Konzert oder in der Rossini-Zugabe an den Tag legt.

 Und das zweite unbedingte Wollen wird jetzt ohnehin beflügelt vorangehen, denn Klieser hat am Donnerstag in der Lübecker Musikhallen-Rotunde den von der Sparkassen-Finanzgruppe gestifteten, mit 10000 Euro und viel Renommee dotierten Leonard Bernstein Award 2016 erhalten. Nach Stars wie Lang Lang, Martin Grubinger, Kit Armstrong oder Anna Vinnitskaya ist er der 15. Preisträger. Ein würdiger bestimmt – und das auch ganz ohne den Bewunderungsbonus für seine fast akrobatische Bewältigung eines angeborenen Handicaps.

 Das Preisträgerkonzert, dessen musikalischer Inhalt gestern im Kieler Schloss wiederholt wurde, fand in Lübeck prominente Resonanz. Unter den Sparkasse-Gästen war neben dem Landtagspräsidenten und Festredner Klaus Schlie auch Ministerpräsident Torsten Albig mit größeren Teilen seines Kabinetts. Die werden auf dem vorgeschalteten Festempfang gerne registriert haben, dass SHMF-Intendant Christian Kuhnt die von Sparkassen-Präsident Reinhard Boll angedeutete Sorge einer möglichen Konkurrenz durch die Elbphilharmonie nicht ansatzweise teilt. Eine besonders schöne Geste ist aber immer wieder, dass die Kinder des Namensgebers Leonard Bernstein, Jamie und Alexander Bernstein, nicht müde werden, die Veranstaltung zu beehren. Lennie, so hob Alexander hervor, habe ein besonders herzliches Verhältnis zum „French Horn“ gehabt ...

 Auch auf „sein“ Festivalorchester wäre Bernstein stolz. Schon die heiklen Haydn-Variationen von Johannes Brahms kannten unter der umsichtigen Leitung von Michael Sanderling sprühende und geheimnisvolle Momente. Und sportiv feindrahtig unterfütterte die historisch informiert im Stehen spielende Frühklassik-Combo aus Büdelsdorf das Haydn-Concerto.

 Irgendwann dann – nach reichlich verläppertem Pausenmanagement eines doch ohnehin überlangen Konzertes – wieder Brahms unter Hochdruck: Sanderling ließ sich von Buhrufen und Pfiffen des inzwischen genervten Publikums nicht beirren und rief bei seinem voll unter Willensdampf stehenden Ensemble alle möglichen Extreme in der c-Moll-Symphonie op. 68 ab: vom flüsterleisen Risikospiel am Rande des Wegbrechens bis zum euphorischen Tutti-Gejubel.

 Keine Frage: Noch haben die – an sich ja hervorragenden – Bläser gute Gründe, sich im sauberen Auspegeln der Akkorde besser aufeinander einzuschwören. Aber man kommt ja aus aller Herren Länder und probt erst ein paar Tage zusammen. Dennoch beeindruckten Soli (wie das der Konzertmeisterin im Andante) und der elastische, weil hochgespannt aufmerksam am Taktstock orientierte Zug im Gesamtgefüge. Fesselnd gelang zum Beispiel die langsame Einleitung des Finales mit den diszipliniert festgehaltenen Pizzicato-Tropfen und dem anschließend kraftstrotzenden Erlösungsströmen. Das Orchester darf sich von Sanderling bestens auf den Weg gebracht sehen.

www.shmf.de

www.felixklieser.de

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Dr. Christian Strehk
Kulturredaktion

Testen Sie die KN

Digitales Abo, ePaper,
klassische Tageszeitung
online buchen & testen!

Sagen Sie es uns!

Vorschläge oder Kritik?
Schreiben Sie
der Redaktion!

Anzeige
ANZEIGE
Mehr aus Nachrichten: Kultur 2/3