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Den Film in die Wiege gelegt

Kurt Denzer feiert 60-jähriges Leinwandjubiläum Den Film in die Wiege gelegt

1956 gewann der damals 17-jährige Kurt Denzer beim Lippischen Amateur-Film-Club-Wettbewerb seinen ersten Preis für einen Kurzfilm. Seither sind sechs Jahrzehnte „Arbeit am und mit Film“ vergangen.

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Kurt Denzer bei der Sichtung seiner Schätze aus „60 Jahren Arbeit am und mit Film“.

Quelle: bos: Björn Schaller

Kiel. Zeit für den Kieler Filmemacher und -pädagogen, der die LAG (heute Landesverband) Jugend und Film, die Kulturelle Filmförderung S.-H. und das Archäologie-Film-Festival Cinarchea mit aus der Taufe hob, in einer Retrospektive zurückzuschauen, die er am Mittwoch in der Landesbibliothek zeigt.

„Film ist mir quasi in die Wiege gelegt“, erinnert sich Denzer an seinen Vater, der das Zelluloid schon in den 1930er-Jahren als Schmalfilmamateur für sich entdeckte und seinen Sohn früh mit der Filmkunst eines Clouzot oder Hitchcock vertraut machte. Gegen manche Widerstände seiner Lehrer, die es nicht gern sahen, dass der Teenager seine Freizeit nicht nur in den Berliner Kinos Cosima und am Kaiserplatz (heute Kino am Bundesplatz) verbrachte, sondern auch noch selbst Filme drehte. „Film galt damals nicht als Kultur“, erinnert sich Denzer an manche Mahnung, doch „lieber was Solides zu lernen“.

 Da es in der jungen Bundesrepublik noch keine Filmhochschulen gab, folgte Denzer solchem Rat zwar mit seinem Lehramtsstudium in Innsbruck und später in Kiel, ohne freilich die Finger von der 8-mm-Kamera und dem Schneidetisch zu lassen. Nach dem Theaterstück eines Mitschülers drehte er 1960 den „von Dada und expressionistischer Lyrik angeregten“ Experimentalfilm Sein Bruder – Jugenddrama, der als erster der Retrospektive zu sehen ist. Auch wenn Denzer in den 1990er Jahren eher mit seinen Dokumentarfilmen über die Wikingersiedlung Haithabu bekannt wurde, blieb er dem experimentellen Genre stets verbunden. „Meine Filme, auch die so genannten dokumentarischen, sind alle Autorenfilme. Ich wollte immer etwas ausdrücken, was mit Worten nicht geht, wie man es nur im Film kann.“

 Solche Filmsprache, besonders die Kunst der Montage, lernte Denzer vor allem durch Zuschauen, als Schüler bei dem Amateurfilm-Pionier Erich Schau und von den Klassikern der Film-Avantgarde wie Eisenstein. „Wer Filme machen will, muss vor allem welche schauen“, weiß Denzer und wurde bald selbst zum Lehrenden in und mit Film. Ende der 1960er Jahre in der AG Film im Studentenwerk der CAU tätig, wo 1965 Floret Academia entstand, ein satirischer Film zum 300. Universitätsjubiläum, übernahm er 1979 die Leitung der Kulturabteilung des Studentenwerks und bildete fortan mehrere Generationen schleswig-holsteinischer Filmemacher aus. „Filmen, Lernen und Lehren waren für mich immer eine Einheit“, sagt Denzer, der im Auftrag des Kultusministeriums das archäologische Grabungsprojekt Haithabu zusammen mit Studenten dokumentierte.

 Reine Dokumentar- oder Lehrfilme sind Mit Shangri-La auf Wikinger-Kurs (1988) oder Beizjagd in Starigard (2005) – beide in der Retrospektive zu sehen – dennoch nicht geworden. Seinen kritischen und kreativen Blick auf das Medium Film und seine Sprache hat Denzer nie verloren, wie sein bislang letzter Film zeigt. In Apropos Haithabu ... noch Fragen?, mit dem die Retro schließt, spürt Denzer in einer „Travestie“ „100 Jahren Archäologie an diesem mythisch beladenen Ort“ nach – ganz in der Tradition seiner frühen experimentellen Autorenfilme.

 

  60 Jahre Arbeit am und mit Film, Mittwoch, 13. Juli, 18.30 Uhr, Landesbibliothek (Kiel, Wall 47-51). Eintritt frei.

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