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Carl Arp und das Strahlen der Landschaft

Stadtmuseum Kiel Carl Arp und das Strahlen der Landschaft

Er ist ein herausragender Vertreter der impressionistischen Landschaftsmalerei in Schleswig-Holstein – und gemessen an seinem Können in der Kunstgeschichtsschreibung viel zu wenig präsent. Damit das anders wird, widmet das Stadtmuseum im Warleberger Hof dem Kieler Maler Carl Arp (1867 -1913) pünktlich zur Kieler Woche eine großen Einzelausstellung.

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Museumsleiterin Doris Tillmann und Kuratorin Telse Wolf-Timm diskutieren impressionistische und expressionistische Anklänge.

Quelle: Marco Ehrhardt

Kiel. Um Carl Arp wieder ins Bewusstsein zu rücken haben die Kuratorinnen Telse Wolf-Timm und Ulrich Schulte-Wülwer eine lesenswerte Monographie erarbeitet. „Die Aufarbeitung der regionalen Kunstszene gehört zu den zentralen Aufgaben des Stadtmuseums“, so Direktorin Doris Tillmann, die Arp schon lange auf der Wunschliste hatte. Da das Haus nur wenige seiner Gemälde besitzt, habe sie sich besonders gefreut, als zwei Kieler Sammler mit der Idee für eine Einzelausstellung an das Haus herantraten. „Sie liefen bei uns offene Türen ein. Mit ihren Leihgaben sorgten sie für eine gute Basis, aufgrund derer auch die großen Museen im Lande mitzogen.“ Dank der Unterstützung aus Husum, Flensburg, Gottorf, Weimar sowie der Kieler Kunsthalle ist eine stattliche Schau zusammengekommen. Circa 80 Gemälde und Grafiken präsentieren einen vielseitigen (Landschafts-)Maler, dessen künstlerische Entwicklung unter dem Einfluss seines Mentors Christian Rohlfs vom Impressionisten zu einem experimentierfreudigen Avantgardisten mit gelungenen Gehversuchen in Richtung Expressionismus reichen.

 „Das Ziel der Ausstellung ist die Wiederentdeckung Arps als fortschrittlichen Maler des späten 19. Jahrhunderts“, so Wolf-Timm. Kaum zu glauben, dass die konventionellen, auf der erdigen Palette der Schule von Barbizon fußenden Gemälde von 1898 von gleicher Hand geschaffen wurden wie die strahlenden Landschaften, die nur vier Jahre später unter dem Eindruck einer Italienreise entstanden. Farbige Schatten, abgeschaut von den Gemälden Claude Monets, setzen hier neben vereinzelt auftauchenden Staffagefiguren unerhörte Akzente und sorgen beim heimischen Publikum für Furore. Und bereits 1905 verschwindet der kleinteilige Pinselstrich zugunsten grober paralleler Schraffuren, dynamischer Umrisslinien und einer leuchtenden Flächigkeit – Arbeiten, in denen Elemente von Expressionismus und Jugendstil zusammenfinden.

 Anders als Rohlfs, den er an der Kunstschule in Weimar kennenlernte, kann Arp sich als Sohn einer wohlhabenden Kieler Brauereifamilie seine künstlerischen Anregungen während ausgedehnter Reisen holen. Pendelnd zwischen Weimar und diversen südlichen Zielen kehrt er immer wieder nach Schleswig-Holstein zurück, wo er zwischen 1898 und 1905 seinen Wohnsitz hat. Erfüllt von der gleißenden Sonne Italiens wird das Licht zum Thema seiner Kunst. Und so sind auch seine schleswig-holsteinischen Landschaften, gemalt unter anderem rund um Kiel, am Dieksee und in Muxall bei Schönberg, geprägt von einem heiteren, weißen Strahlen, das selbst vor Winterbildern nicht Halt macht. Im Unterschied zu Rohlfs, von dem er die Maltechnik mit Spachtel und breitem Pinsel lernt und der sich später zunehmend der Abstraktion verpflichtet, orientiert sich Arp stets an der Realität. „In der Kunstgeschichte wird sein Werk dem von Christian Rohlfs grundsätzlich nachgeordnet“, so Doris Tillmann. Im Rahmen fortgesetzter Forschung hofft sie auf die Entdeckung weiterer Gemälde des Kielers. Wie Telse Wolf-Timm ist sie sicher: „Wäre Carl Arp nicht schon mit 46 Jahren gestorben, er hätte eine große künstlerische Entwicklung gemacht.“

www.stadtmuseum-kiel.de

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