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Kristallklares Jubilieren

Landesjugendchor SH Kristallklares Jubilieren

Spätestens ab Johannes Brahms’ überaus anspruchsvoller Motette "Schaffe in mir Gott ein rein’ Herz" zeigt sich der Landesjugendchor Schleswig-Holstein unter der Leitung von Matthias Janz in Festlaune und unterstreicht, warum seine Erfindung eine brillante Idee war.

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Der Landesjugendchor Schleswig-Holstein unter Matthias Janz bei der Akustikprobe für sein Jubiläumskonzert in der Gertrudkirche von Hamburg-Altenwerder.

Quelle: Martin Doerks / LMR SH

Hamburg. Seit 30 Jahren fördert und fordert der Auswahlchor besonders begabte junge Stimmen aus dem Norden, schult sie in Einzelstimmbildung, erprobt mit ihnen die Konzertreife an nur zwei Wochenenden sozusagen im Akkord. Wie da nun die Hakeleien in Brahms’ a-cappella-Geflecht gemeistert werden, der Textausdruck der „Verwirf mich nicht!“-Ausrufe intensiviert und der sanfte Trost klanglich versinnbildlicht wird, ist in der Reihe der Baumblütenkonzerte in der bestens besuchten Gertrudkirche von Hamburg-Altenwerder schlichtweg faszinierend. Und selbst wenn in Poulencs Salve Regina noch nicht alle Stellschrauben in der Intonation sitzen, stimmt der Farbenzauber allemal.

 Der langjährig prägende Leiter Matthias Janz hat da ein enorm geschmeidiges, in der Höhe kristallklar leuchtendes, in der Tiefe fluid-sonores und in den Binnenstimmen verantwortungsvoll einfühlsames Ensembles an der Hand. Besonders erstaunlich ist das kontrastreiche Register-Panorama, das in Anton Bruckners Graduale Christus factus est vom flüsternden Pianissimo bis zu einem raumflutenden Fortefortissimo reicht. Später werden romantische Traumbilder von Brahms’ und Schumann sanft ins Schweben gebracht, Thomas Morleys Renaissance-Ballett Fire, fire züngelnd gezündet und Hugo Distlers schaurig-schöner Mörike-Feuerreiter hochdramatisch in zugespitzen Spaltklängen aufgespreizt.

 Und dabei hat das Kollektiv diesmal wegen Krankheiten und studentischer Verpflichtungen schwer um eine singfähige Besetzung kämpfen müssen – die nachnominierten „Last-Minute“-Tenöre schaffen aber keinerlei hörbare Unsicherheit. Nur Bachs doppelchörige Motette Komm Jesu komm fällt mit Ausnahme des Schlusschorals dem Engpass – vernünftigerweise – zum Opfer. Stattdessen führt Janz vor, welch enormes sängerisches Potenzial im Chor mitwirkt, indem er beispielsweise Sophie Stratmann und Laura Thomsen in einem hinreißend homogenen Engel-Duett von Felix Mendelssohn als Solistinnen an der Orgel begleitet.

 Auch die beiden kleinen Erholungspausen für die Stimmen werden glänzend instrumental gefüllt: Das 1999 geborene Niendorfer Harfen-Talent Swantje Janne Wittenhagen, inzwischen Jungstudentin bei Gesine Dreyer an der Lübecker Musikhochschule und Mitglied im Bundesjugendorchester, lässt das „Instrument des Jahres 2016“ in Werken von Felix Godefroid und Sophia Corri salonschön und differenziert glitzern.

 Nächste Konzerte mit dem Jubiläumsprogramm: 21. Mai, 19 Uhr, Tymmo-Kirche Lütjensee und 22. Mai, 17 Uhr, Klosterkirche Uetersen. Geplant ist im Herbst eine CD-Aufnahme, die aber noch durch Spenden finanziert werden muss. Internet: www.landesmusikrat-sh.de

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Ein Artikel von
Dr. Christian Strehk
Kulturredaktion

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