16 ° / 12 ° Regenschauer

Navigation:
Konzert, Comedy und Sparklub

Der Lutterbeker wird 40 Konzert, Comedy und Sparklub

Der Lutterbeker übt seit 40 Jahren den Spagat zwischen Dorfkrug und Kulturzentrum. Von Anfang an wollten die Betreiber Strupp und Wolfgang Marx eine Kneipe für das ganze Dorf bieten.

Voriger Artikel
Indische Woche in Hamburg mit Schwerpunkt Kunst und Kultur
Nächster Artikel
Hamburg: Mares-Preis für Bühnen-Freundeskreise

Auf dem Tisch stapelweise Programme aus vier Jahrzehnten: Strupp und Wolfgang Marx.

Quelle: Björn Schaller

Lutterbek. „Juli 75 – Kneipe machen? – Niemals!! Wo? Lutterbek! – Mal ansehen ... – viele Möglichkeiten! ... Warum nicht?“ So beginnt Lutterbeker – immer wieder anders, eine bebilderte, 136 Seiten starke Rückschau auf 15 Jahre Lutterbeker, die Autorin Strupp Marx 1990 als „subjektive Dokumentation“ veröffentlicht hat. Subjektiv – wie sollte es auch anders sein. Schließlich führt Strupp mit Ehemann Wolfgang nun schon seit 40 Jahren dieses kulturelle Unikum samt Galerie in der Lutterbeker Dorfstraße, welches das 364-Seelen-Dorf zumindest in Künstlerkreisen bundesweit und auch noch über die deutschen Grenzen hinaus bekannt gemacht hat.

 „Wir wollten von Anfang an keine Szenekneipe machen, sondern eine Kneipe für alle im Dorf“, betont Strupp. „Und das haben wir den Dorfleuten auch gesagt. Das waren schon spannende Momente, aber es hat funktioniert.“ Sie hätten ja auch die alte Rolle des Kruges im Dorf übernommen, mit Schweinegilde und Sparklub-Essen, erzählt Wolfgang. „Auf unsere Art“, präzisiert Strupp. „Und mit der Auflage, dass sie alle respektieren, die kommen.“ Zuerst seien die Lutterbeker sehr skeptisch gewesen, erinnert sich Wolfgang, „aber dann haben sie gesehen, dass wir arbeiten können und dass wir den Saal warm kriegen“.

 Recht häufig hatte das Paar anfangs mit behördlichen Auflagen zu kämpfen. Hat sich das gebessert? „Ja, auf jeden Fall“, sagt Wolfgang. „Wir haben auch das Gefühl, dass sie auch ein bisschen Respekt vor uns haben, dass wir mit Hilfe von bekannten Kabarettisten so ’ne Glocke läuten könnten, die ihnen gar nicht so genehm ist.“ Aber was vorgeschrieben wurde, sei umgesetzt worden. „Als wir das Gebäude dann gekauft hatten, durften wir noch nicht mal drin wohnen. Die Behörden hatten uns in die Rubrik ’Disko’ geschoben, die würden ja alle zehn Jahre abbrennen.“

 Da liegen sie nun auf dem Kneipentisch. Hunderte Programme, die bezeugen, welche Scharen von Künstlern seit den 70ern auf der Bühne im Saal sangen, musizierten, schauspielerten, jonglierten, improvisierten. Viele Bands gibt es nicht mehr, viele Solisten haben sich in den künstlerischen Ruhestand verabschiedet, „es sind auch schon viele tot“, sagt Wolfgang.

 Die Idee, Künstler kommen zu lassen, die hatten sie von Anfang an. „Wir haben uns zum Musikmachen hier getroffen“, blickt Wolfgang zurück, der damals im Lutterbeker einen Gitarrenladen betrieb. Daraus wurde der „Ruby Tuesday“, die Dienstags-Session. Schnell stießen Musiker aus Kiel dazu. Dann kamen auch bald die ersten Konzerte. Tausende Musiker haben seitdem im Lutterbeker gespielt, um nur ein paar zu nennen: Guru Guru, Embryo, Funk Connection, Etta Scollo, Jeremy Days, Maxim Rad, Can-Drummer Jaki Liebezeit mit Can-Sänger Damo Suzuki. Und kabarettistisch waren etliche da, die Rang und Namen haben, ob Mathias Beltz, Dirk Bach, Pigor und Eichhorn, Queen Bee, Ingo Appelt, Arnulf Rating, Bodo Wartke, Horst Schroth oder Heinrich Pachl. Längst ist der Lutterbeker ein beliebter Ort für Vorpremieren – wegen der Appartements und der Ruhe zum Proben.

 Nein gesagt haben Strupp und Wolfgang schon öfter mal, wenn Auftrittsanfragen von Künstlern kamen und „ein gewisses Qualitätsniveau auf dem Spezialgebiet“ (Strupp) nicht gegeben war. Enttäuscht es sie, wenn Künstler im Lutterbeker groß werden und dann so groß, dass sie nie wiederkommen? „Natürlich, so’n bisschen grummelt’s“, sagt Strupp. „Zum Beispiel Horst Evers, Rainald Grebe oder René Marik hätte ich schon gerne wieder gehabt.“

 Das schaffen wir nicht – wie oft haben sie das gedacht? „Oh, immer wieder“, sagt Wolfgang, und Strupp ergänzt lachend: „Im Laufe der 40 Jahre ... 20 Jahre?“ Es hätten sich aber jedes Mal Freunde und Verwandte gefunden, die sie in ganz heiklen Situationen finanziell gerettet hätten. Zum 25. Geburtstag hatte Strupp eine zweite „subjektive Dokumentation“ verfasst. Wird es noch ein Lutterbeker-Buch mit weiteren Kapiteln geben? „Ich denke schon“, sagt Strupp. „Vielleicht zum 50-jährigen.“

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nachrichten: Kultur 2/3