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Kritik, düster formuliert

Oliver Stäudlin im Kunstraum B Kritik, düster formuliert

„Wo ist denn dein Humor?“ Die Frage, die sich im Rahmen der Reihe B- fragt an den Maler und Grafiker Oliver Stäudlin richtet, ist Betrachtern seiner neueren Arbeiten abgelauscht. Denn im Vergleich zu früher scheint ihnen eine gewisse Verschmitztheit zu fehlen.

Kiel. Tatsächlich sind die Collagen, die der Künstler vom Bodensee aus gefundenen Fotografien und manueller Grafik zu fiktiver, wuchernder Architektur zusammensetzt, reichlich düster. Nicht nur, weil sie in Schwarzweiß gehalten sind. Da ragen monströse Türme mit Fenstern wie Augen aus einem dichten Birkenwald, woanders schwimmt ein kafkaesk verwinkeltes Gebäude in einem undefinierbaren Nichts aus Grautönen. Ein anderes architektonisches Ungetüm ist aus Versatzstücken einer Schleuse, eines Industrieparks und eines Kircheninnenraums zusammengesetzt.

 Menschen gibt es nicht in den unbehaglichen Szenerien. Was sie an baulichen Ungetümen hinterlassen könnten, spricht für sich. „Ich möchte mit meinen Bildern eine bedrohliche, unbehagliche Stimmung evozieren“, sagt Stäudlin, der nach seinem Studium in Karlsruhe fünf Jahre in Zürich verbrachte und jetzt in Leipzig lebt. Bei seinen raffinierten, teils manuell, teils digital bearbeiteten Collagen geht es ihm keinesfalls um das Verstörende an sich. Ein Großteil seiner im Kunstraum B gezeigten Bilder gehört zu der Reihe „Überwachen und Strafen“, inspiriert von Michel Foucaults gleichnamigen Buch von 1975. „Jede Arbeit ist auch als politische oder zeitgeschichtliche Kritik zu verstehen, die ich versuche, auf abstraktem Wege zu formulieren“, so der Künstler. Und wer genau hinschaut, kann hier und da auch noch ein Fünkchen (schwarzen) Humor aufblitzen sehen. sth

  Wilhelminenstr. 35. Eröffnung heute, Mittwoch, 18 Uhr. Bis 2. Juli. Do-Sa 15-18 Uhr

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