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Reizvolle Mixturen

Philharmonischer Chor Reizvolle Mixturen

Es gibt doch noch immer lohnende (Wieder-)Entdeckungen in der Musikgeschichte. Das Requiem in C, das der Opernkomponist Charles Gounod 1893 auf seinen erst vierjährigen Enkel Maurice zu schreiben hatte, werden wohl alle dazuzählen, die am Sonnabend die Kieler Pauluskirche besuchten.

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Bei der Probe des Philharmonischen Chors unter Lam Tran Dinh im Opernhaus Kiel.

Quelle: Björn Schaller

Kiel. Der Philharmonische Chor war mit gut 50 Stimmen angetreten, das etwas mehr als halbstündige Werk in einer Kammerfassung aus der französischen Versenkung zu holen. Chorleiter Lam Tran Dinh wusste eine klare lateinische Diktion und kräftige, die Textaussage verstärkenden Gesangsfarben abzurufen.

Geriet der Eröffnungssatz noch etwas schleppend, steigerten sich alle in einen voranströmenden Legatofluss mit euphorisch aufleuchtenden (Sanctus) und betörend modellierten Passagen (gutes Beispiel: Huic ergo). Die präzise Abstimmung in Rhythmuspuls und Intonation mit der Orgel, der Harfe und einem Philharmonischen Streichquintett erwies sich als nicht leicht, gelang aber doch zeitweise in reizvoller Klangmixtur.

Zuvor hatte der Chor Gounods deutlich ältere und schlichtere a-cappella-Vertonung der Sieben Worte Christi am Kreuz aufgeführt. Da taten sich Assoziationen der bildenden Kunst auf: Man fühlte sich an die religiösen Romantizismen der Nazarener erinnert. Auch hier aber lagen die Qualitäten des opernerfahrenen Städtischen (Konzert-)Chores vor allem in der aufwallenden Ausmalung besonders expressiver Momente.

Von Christian Strehk

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