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Fröhlichkeit zweifach garantiert

Philharmonischer Chor Kiel Fröhlichkeit zweifach garantiert

„Diese Musik macht mich Lachen“, positioniert sich Kiels 2019 definitiv scheidender Generalmusikdirektor Georg Fritzsch keineswegs despektierlich, sondern begeistert von den vitalen Kräften der "Missa sacra" von Robert Schumann. Sie ist das Hauptwerk der kommenden Philharmonischen Konzerte.

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Kiels GMD Georg Fritzsch plädiert bei der Probe im Klaiberstudio für einen aufgeräumten Schumann-Klang.

Quelle: bos: Björn Schaller

Kiel. „Man merkt darin, dass sich der Protestant aus Sachsen da freudig auf die rheinischen Katholiken zubewegt hat. Das ist alles andere als ein Requiem ...!“ Schumann war Musikdirektor in Düsseldorf und versorgte die Chöre dort mit chorsinfonischen Werken. Die c-Moll-Messe op. 147 entstand im Jahr 1852. Und noch 1861 schwärmte Clara Schumann nach einer Aufführung gegenüber Johannes Brahms von „so wundervoller Klangwirkung, dass es einem kalt den Rücken hinunter rieselt“. Diese Begeisterung hat sich im Musikbetrieb nicht gehalten: Aufführungen sind heute ausgeprochen rar. Immerhin: Im Jahr 2010 hatte sich Universitätsmusikdirektor Bernhard Emmer mit der Studentenkantorei in Kiels Nikolaikirche für das Werk stark gemacht.

 Im Klaiberstudio des Opernhauses gibt sich Fritzsch beim ersten Zusammentreffen mit dem Philharmonischen Chor und dem Opernchor des Theaters, beide einstudiert von Lam Tran Dinh, große Mühe, Transparenz und Schwung in die Abläufe zu bringen. „Die cum sancto spirito-Passage ist zu kantabel aufgefasst. Diese Musik hat ihren Ursprung in der Barockmusik, und das muss man auch hören. Wer den Kontrapunkt hat: leicht bitte“, so der Dirigent. „Tenori! Das Gloria muss von euch geradezu herausgeschleudert werden, so als könntet ihr euch gar nicht mehr beherrschen. Ansonsten: Markant auf dem Themenkopf.“ Man spüre am eher dezent um die Chorpartie gewebten Orchestermantel, dass das Werk auch in einer Fassung für Orgel und Chor vorliege, so Fritzsch.

 Im Credo fordert Fritzsch zwar weiche, eher melodiös gedachte Akzente und eine fließende Legato-Kultur, will aber die Fröhlichkeit auch dort nicht missen: „Kirche kann Fröhlichkeit pur sein. Ich habe das mal bei einem Gottesdienst auf Barbados erlebt.“ Trotzdem hält die romantische Messkomposition, die laut Komponist ausdrücklich auch für den Konzertsaal gedacht ist, selbstverständlich auch mystische Momente parat, etwa bei der Grablegung Christi (et sepultus est), der dann aufschäumend euphorisch die Auferstehung folgt.

 Kombiniert wird die Messe mit einem weiteren Beitrag der Philharmoniker zum Max-Reger-Gedenkjahr. Fritzsch dirigiert die 1909 in Leipzig entstandenen, raffinierten Hiller-Variationen des Spätromantikers – über ein „lustiges Thema“ des einstigen Thomaskantors. So ist die Fröhlichkeit zweifach garantiert.

Konzerte am 20. und 21. November um 11 bzw. 20 Uhr im Kieler Schloss. Karten: 0431 / 901 901.

www.musikfreunde-kiel.de

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Ein Artikel von
Dr. Christian Strehk
Kulturredaktion

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