16 ° / 11 ° wolkig

Navigation:
Regers Anwalt mit dem vollen Griff

Gerhard Oppitz Regers Anwalt mit dem vollen Griff

„Schon mit zwölf habe ich Rudolf Serkins Max-Reger-Einspielung unter Ormandy von 1959 gehört, war sofort begeistert und hab’ mir gedacht: Das möchte ich unbedingt auch mal spielen." Der Brahms-Preisträger Gerhard Oppitz beginnt mit der Rarität in den Philharmonischen Konzerten am 11. und 12. September fohgemut seine Kieler Saison als „Artist in Residence“, in der in Zusammenarbeit mit den Musikfreunden noch ein Kammermusikabend (1. Oktober), Mozart (19./20. März) und ein Solo-Recital (1. April) folgen sollen.

Voriger Artikel
Klasse statt Masse mit baskischem Akzent
Nächster Artikel
An der Wiege des Tangos

Freundschaftlicher Plausch am Rande der Probe: Solist und Artist in Residence Gerhard Oppitz (li.) im Gespräch mit Generalmusikdirektor Georg Fritzsch.

Quelle: Manuel Weber

Kiel. Der Pianist Gerhard Oppitz lobt in einer Probenpause der Kieler Philharmoniker den jahrzehntelangen Einsatz des Kollegen für das schwergewichtige Klavierkonzert von Max Reger: „Ohne ihn wäre das heute vielleicht noch ein bisschen unbekannter als es ohnehin schon ist.“ Mit dem verehrten Serkin scheiterte 1990 eine Neueinspielung. Sein Reger-Mitstreiter Oppitz hatte ihm eigens im Vorfeld seine eigene, gefeierte Einspielung mit Horst Stein am Pult zugesandt. „Daraufhin hat er mir einen wunderbaren Brief geschrieben und war ganz begeistert. Er wollte sich mit mir treffen, war aber leider aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr reisefähig.“ Mit Wilhelm Kempff, seinem eigenen, nicht minder legendären Lehrer, hat der 1953 im Bayerischen Wald geborene Oppitz dagegen nie über Reger und seine Musik gesprochen. „Für ihn gab es eine Reihe von Komponisten aus seiner Generation, die ihm zu neuzeitlich oder extravagant erschienen.“

Oppitz selbst hat den hohen Aufwand nie gescheut, das kolossale f-Moll-Konzert im Repertoire zu behalten; gerade hat er es in Essen gespielt: „Reger bildet für mich die zwingende Fortsetzung der Klavierkonzert-Linie Mozart, Beethoven und Brahms." Der Pianist sieht darin zudem einen Spiegel der Entstehungszeit um 1910. „Was Wagners Tristan erreicht hatte, die Musik irgendwohin fließen zu lassen, ohne dass sie zu einer harmonischen Auflösung findet, das hat in Regers Schaffen signifikante Spuren hinterlassen.“ Die Informationsdichte pro Zeiteinheit sei noch um einiges höher als bei Brahms. „Das ist beim ersten Hören nicht immer leicht nachzuvollziehen.“ Dabei sei das spätromantische Werk aber zugleich eher rückwärts bis zu Bach gewandt und kein progressives Experiment. „Reger sah sich nicht als Neuerer.“ Im angenehm leichtgewichtigen Finalsatz („mit einer Spur oberpfälzer Eleganz ...“) höre man sogar humorvoll kollegialen Austausch mit Richard Strauss – „im Gegensatz zum großsinfonisch tiefschürfenden Duktus des ersten Satzes und der fast heiligen Aura des zweiten mit seinen Choralanklängen“ (Wenn ich einmal soll scheiden ...). Um den vollgriffigen Solo-Part zum Klingen zu bringen, braucht es einen phänomenalen Pianisten und, so Oppitz, „einen Dirigenten, der Regers minutiöse dynamische Bezeichnungen ernst nimmt und hilft, das Orchestergeschehen etwas aufzulichten.“ Ein Wunsch, der GMD Georg Fritzsch erfahrungsgemäß nicht fremd sein wird - und der sich auch in Brahms' Zweiter Symphonie auszahlt, die Regers Konzert flankiert.

www.musikfreunde-kiel.de

www.theater-kiel.de

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Dr. Christian Strehk
Kulturredaktion

Mehr aus Nachrichten: Kultur 2/3