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Gerhard Oppitz: Mächtig Ewiggültiges

Musikfreunde Kiel Gerhard Oppitz: Mächtig Ewiggültiges

Robert Schumann bewunderte die "himmlische Länge" in Franz Schuberts Reifewerken. Der Pianist Gerhard Oppitz, der am 1. April als „Artist in Residence“ der Philharmoniker bei den Musikfreunden Kiel mit einem Solo-Recital zu Gast war, ist ein Großmeister dieses Weitblicks à la Jean Paul.

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Der Pianist Gerhard Oppitz (hier mit Dirigent Georg Fritsch im Schloss-Konzert) ist in der laufenden Saison Residenzkünstler der Kieler Philharmoniker und ihres Vereins-Partners, den Musikfreunden Kiel.

Quelle: Thomas Eisenkrätzer

Kiel. Wie Oppitz den unendlichen Fluss des Finalsatzes von Franz Schuberts großer A-Dur-Sonate D 959 vom irdischen Zeitmaß entkoppelte, die sehnsüchtigen Melodiezüge magisch auf- und abtauchen ließ, war grandios. Überhaupt fesselte sein feinsämiges Schubert-Spiel mit kleinen Verzögerungen in den Kopfsatz-Themen, mit dem wahnhaften Entgleisen des Andantinos und dem ins kapriziös Irre kippenden Scherzo. In der ausverkauften Ansgarkirche fand Schuberts Musikphilosophie ein passend entrücktes Echo in der Zugabe: in Brahms’ spätem E-Dur-Intermezzo aus Opus 116.

Vor der Pause hatte Oppitz den Bogen geschlagen vom 1795 in Wien durchstartenden Bonner Virtuosen zum gehörlos abgeklärten Musik-Denker Beethoven des Spätwerks. Man kann den haydnnahen C-Dur-Witz in seinem Opus 2 Nr. 3 sicher frecher herausarbeiten. Wie Oppitz aber schon in dessen E-Dur-Adagio zu tiefem Ernst fand, war faszinierend.

Beste Voraussetzungen für Opus 111: Beethovens letzte Sonate, ein grimmig gewichtiger c-Moll-Monolith, fand in Oppitz einen abgeklärten Klang- und Strukturregisseur. Der Steinway geriet unter seinen Händen mächtig ins Beben, um die Thementrümmer schließlich in Triller- und Skalenkaskaden in ein ewiggültiges Nichts aufzulösen.

Von Christian Strehk

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