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Eine Vita mit radikalem Schnitt

Richard Wester im Bunker D Eine Vita mit radikalem Schnitt

„Wenn wir schon so einen wunderbaren Beruf haben, dann müssen wir auch mal zurück über die Schulter gucken.“ Und genau das macht Richard Wester in seiner Ausstellung Ein Musikerleben – der schleswig-holsteinische Musiker und Komponist Richard Wester von 1976 bis heute. Eröffnet wird die multimediale Schau im Kieler Bunker D.

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Während im Hintergrund die Exponate gehängt werden, gibt Richard Wester eine kleine Einlage auf dem Saxofon.

Quelle: bos: Björn Schaller

Kiel. Kiel. Der Saxofonist, der im Dörfchen Steinbergkirche nahe Flensburg lebt, erwartet einige Ausstellungsbesucher aus dem Kollegenkreis. Wen denn so? „Das verrate ich nicht!“, sagt Wester mit gespielter Empörung und verschmitztem Lachen. Nun könnten ja mit Blick auf die Exponate an den Wänden die Spekulationen beginnen. Ulla Meinecke? Katharina Thalbach? Einer von BAP? „Wer auf jeden Fall kommt, sind die hier“, sagt Wester und zeigt auf ein großes Foto, das ihn zusammen mit dem Liedermacher Manfred Maurenbrecher und dem Sänger George Nussbaumer zeigt, mit denen Wester 2005 das Randy Newman Projekt initiiert hat.

 Eines von vielen künstlerischen Projekten, denen einer der beiden Räume gewidmet ist, die Wester mit seiner „musikalischen Werkschau“ bespielt. „Wir haben uns für die Chronologie entschieden“, erläutert der Musiker. Seit rund einem halben Jahr konzipiert er gemeinsam mit Ida Grull, der Co-Pruduzentin und typografischen Gestalterin, die Schau. Nun geht es an die Hängung und den Aufbau. „Wir wollen hier aber keine Altäre bauen“, betont Wester, „sondern den Werdegang eines Musikers zeigen. Die Kiddies in der Schule können sich das ja gar nicht mehr vorstellen, dass Musiker ein richtiger Beruf ist.“

 Westers künstlerischer Werdegang begann in den 70er Jahren, während seines Studiums in Berlin. Mit der Jazz-Band Mallet war er auch auf Tour durch den Osten, seine „erste bekannte Band“ Firma 33 spielte Mitte der 70er vor 600 Gästen im berühmten Berliner Club „Quartier Latin“, wo es 1976 auch ein Doppelkonzert mit der Nina Hagen Band gab – die Sängerin war just in die BRD übergesiedelt. Weitere Fotos zeigen Wester 1986 im Studio mit Schauspielerin Katharina Thalbach, 1989 mit der Kölsch-Rock-Band BAP in China oder misslaunig backstage auf einem Sofa neben Sängerin Ulla Meinecke. „Fast wie ein Suchbild“, sagt Wester dann vor einem großen Gruppenbild mit vielen bekannten Gesichtern. Band für Afrika hieß damals das Benefiz-Projekt in Anlehnung an Bob Geldofs Projekt „Band Aid“. Das von Wolfgang Niedecken geschriebene Lied Nackt im Wind interpretierten damals gemeinsam etliche deutsche Stars, darunter Herbert Grönemeyer, Nena, Marius Müller-Westernhagen, Udo Lindenberg und Peter Maffay – ganz vorne rechts mit Saxofon: Richard Wester.

 Der Gang in den anderen Raum vollzieht den radikalen Schnitt nach, den Wester markiert hat, als er 1989 aus Berlin floh. „Ich habe dem ganzen Zirkus den Rücken gekehrt, alles abgebrochen, ich brauchte Luft. Überdosis Stadt hätte meine Chefin Ulla damals gesagt“, vermutet Wester. Schon seit 1982 lebte Wester in Schleswig-Holstein, der endgültige Schritt in die Provinz nach Steinbergkirche ist der zur Kleinkunst – mit zahlreichen Projekten, etwa Das Duo mit Gitarrist Wolfgang Stute (Deutscher Kleinkunstpreis 1991), Jasmin & Saxophon, Mental Journey, Randy Newman Projekt, Concerto, Northern Mystics, Saxophonics, Floatwork, Something Special, zuletzt Dun Dun mit deutschen Musikern und Le Tambours de Figuig aus Marokko.

 Da die Besucher sein Musikerleben auch hören können sollen, lässt Richard Wester in beiden Räumen „Hörtheken“ samt Kopfhörern mit je rund 100 Liedern aufbauen, mit MP3-Playlists zur freien Auswahl. In einem kleineren Raum mittendrin laufen hinter dicken, dunklen Vorhängen und mit leisem Ton Konzertmitschnitte und Ausschnitte aus TV-Sendungen, in denen Wester zu sehen ist. Auch ein Saxofon zählt zu den Exponaten. Wer von Beruf Musiker ist, der soll natürlich auch sein Handwerkszeug zeigen.

 Richard Wester – Ein Musikerleben, Vernissage: Donnerstag, 10. März, 18 Uhr, Bunker D der Fachhochschule Kiel (Schwentinestr. 11), bis 6. April, mittwochs 10 bis 20 Uhr. Freitag, 11. März, 19.30 Uhr: Live-Konzert „Something Special“ mit George Nussbaumer, Richard Wester und Bassist Peter Pichl (Eintritt frei). Eine zweite, umfangreichere Ausstellung ist für 22. April bis 17. Mai im Flensburger Hochbunker „Trollseeturm“ geplant. Weitere Infos: www.fh-kiel.de

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