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Komiker aus zwei Welten

Özcan Cosar im Metro-Kino Komiker aus zwei Welten

Gesang, Tanz und Schauspiel, alles integriert in eine temporeiche Stand-Up Comedy, die obendrein noch witzig ist – mit diesem Repertoire begeisterte der Stuttgarter Comedian Özcan Cosar die Zuschauer beim KN-Comedy Club im gut gefüllten Metro-Kino.

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Viel Tempo, reiche Mimik: Comedian Özcan Cosar.

Quelle: kpb:KAI-PETER BOYSEN

Kiel. „Ich hatte ein hartes Leben… ich bin Türke – gewesen“, so führt sich Özcan Cosar ein und das Publikum auf die Spur seines Programmes „Adam & Erdal“. Seit 2009 trägt der (bei Bedarf) schwäbelnde Migrantenspross nämlich die deutsche Staatsbürgerschaft und hat somit guten Einblick in das Seelenleben beider Ethnien.

 Besten komödiantischen Stoff bietet die Biografie des 35-Jährigen: Aufgewachsen in Stuttgart-Hausen („Dagegen ist Kiel-Gaarden Beverly Hills“) schaffte Cosar als einziger aus seinem Freundeskreis den Realschulabschluss, was ihm den Beinamen „Professor“ einbrachte. Danach machte er eine Ausbildung „zur Zahnarzthelferin“ (er war der einzige Mann), jobbte in der Gastronomie und brachte es als Breakdancer zu Meisterschaften. Letzteres bedarf nicht der Erwähnung im Programm, allein wie er sich aus dem Liegen ohne Zuhilfenahme der Hände wieder in den Stand schwingt, ist beeindruckend. Das gilt auch für sein Tempo und seine Mimik, mit der er verdeutlicht, wie kraftraubend es als Türke ist, zehn Stunden mit angespannten Muskeln und grimmigem Blick am Bahnhof zu stehen oder welcher Anstrengung es bedarf, ein Wort wie „Hirsch“ zu formulieren.

 Das Publikum kommt aus dem Lachen kaum heraus, wenn er von seinem sorglosen Leben und „U3-Parties“ erzählt, bis er auf die „Geld- und Luftballonnummer“ vor der Beschneidung reingefallen ist. Zur Musik von John Carpenter erzählt er von seinem Antrag auf die deutsche Staatsbürgerschaft, der ein „Türkzorzismus“ durch „Priester der AfD-Kirche“ vorausgeht, die ihm die letzten türkischen Dämonen austreiben, indem er 24 Stunden in Sauerkraut eingelegt und mit Speckwürfeln bedeckt ausharren muss.

 „Ich bin fertig, ich kann nicht mehr“, meint eine rotgelachte Zuschauerin in der Pause. Doch es geht munter weiter mit dem Bekenntnis, dass Türken viel lieber Latinos wären und glauben, dass vor der Kontinentalplattenverschiebung Argentinien und die Türkei nebeneinander lagen.

 Etwas ernster wird Cosar, wenn er klarstellt, das unter Muslimen dieselbe Angst vor den (IS-)„Monstern“ herrsche und es keineswegs ein „Konkurrenzdenken“ gegenüber Selbstmordattentätern gäbe. Wunderbar steif und spießig kann er sein, wenn er sich durch das Leben von „Herbert und Hannelore“ schwäbelt oder einen totlustigen Discofox mit der imaginären „Saskia“ auf die Bretter legt.

 Mit Özcan Cosar hat ein vielseitiger Künstler mit feiner Beobachtungsgabe und Riesentalent nicht nur zur komischen Auflösung sicherlich nicht zum letzten Mal in Kiel auf der Bühne gestanden.

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