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20 Jahre Konzerte im Kuhstall

Thomas Mohr in Kleinkummerfeld 20 Jahre Konzerte im Kuhstall

Wozu eine Hochzeit nicht alles gut sein kann. Weil der gebürtige Neumünsteraner Thomas Mohr in der Nähe seiner alten Heimat einen Resthof erstanden hatte und im Kuhstall feiern wollte, keimte die Idee, dort auch mal Konzerte zu machen.

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Setzt auf natürliches Umfeld: Sänger Thomas Mohr.

Quelle: bos: Björn Schaller

Kleinkummerfeld. „Obwohl ich mir so was eigentlich immer in noch kleinerem Rahmen, unter Freunden sozusagen, vorgestellt hatte." Vor allem aus Dankbarkeit für die gute Aufnahme in der Gemeinde wollte der Bariton, der inzwischen den Fachwechsel ins Heldentenorfach erfolgreich geschafft hat, vor genau 20 Jahren etwas zurückgeben: 6000 Deutsche Mark aus dem Benefizkonzert mit Balladen von Carl Loewe ermöglichten damals den Ankauf von Spielgeräten auf dem Schulhof von Kleinkummerfeld zwischen Neumünster und Bad Segeberg.

 Am Donnerstag findet die alljährliche Benefizreihe nun in selber Besetzung (mit dem Pianisten und Düsseldorfer Klavierprofessor Thomas Palm, der morgen vorab einen Georg Kreisler-Abend gestaltet) ihre exakte Wiederauflage. Die Uhr, Herr Oluf, Odins Meeresritt, Erlkönig – Mohr weiß, wovon er singt, war er doch auch von Cord Garben in der Gesamteinspielung aller Loewe-Lieder beim Label CPO gefragt.

 Die Klein Kummerfelder Kuhstall Konzerte (KKKK) waren geboren und wuchsen sich aus. Bald wanderten größere Produktionen vom 200 Personen fassenden Stall open air auf den Innenhof: bis hin zu Orffs Carmina burana, Brahms' Liebesliederwalzer, Prokofjews Peter und der Wolf oder sogar dem Ersten Akt von Wagners Walküre mit Kirsten Blank als Sieglinde.

 Und weil klassische Musik nicht in jeder Form, schon gar nicht als Kunstlied-Pflege, die Massen anzieht, würde das Programm der Ambiente-Spielstätte immer bunter. Der Förstersohn Mohr, der mit Justus Frantz am Klavier einst die Winterreise auf Emkendorf sang, nahm sich die Musikfeste auf dem Lande des SHMF zum Vorbild – ohne sich dabei im Entferntesten als Konkurrenz zu verstehen: „Wir machen hier doch alles im kleinen Format und ausschließlich selber“.

 Mohr selber hat gerade wieder in der Leipziger Produktion von Wagners Ring-Tetralogie gesungen und war in Bonn beim Abschiedskonzert des dortigen GMD Stefan Blunier Wunschsolist in der Pfitzner-Rarität Von deutscher Seele. „Auch in einer Kieler Walküre sollte ich kürzlich singen, konnte dann aber wegen Verpflichtungen meiner Studenten gegenüber nicht.“

 Einer dieser Studenten, der Tenor Mirko Ludwig, kommt zur Freude des Bremer Hochschuldozenten am Freitag um 19.30 Uhr zum A-cappella-Open-Air mit seinem inzwischen sehr angesagten und bei Sony Classical im CD-Geschäft mitmischenden Männerquartett Quartonal auf den Hof Isemohr. Geerdet geht es bei den beiden letzten Abende der diesjährigen KKKK-Reihe zu. The Stokes bieten Traditional Irish Folk Music (23. Juli, 19 Uhr) und der NDR-Entertainer Yared Dibaba hat mit den Schlickrutschern und dem Sonux Ensemble, einem Männerchor-Ableger der Chorknaben Uetersen, allerlei rund um den Seemanns-Shanty vor (24. Juli, 16 Uhr).

 Erfolg hatte Mohr in den zwanzig Jahren KKKK auch mit Meisterkursen für junge Sänger. Aber das sei organisatorisch aufwändig. Der wache Blick des stimmprächtigen Hofherren wandert zur Bühne: „Aber vielleicht ja doch wieder im nächsten Jahr ...“ Die ungewöhnliche Geschichte der Kuhstallkonzerte ist also nach zwanzig Jahren und über 200 Veranstaltungen keineswegs abgeschlossen.

 www.kuhstallkonzerte.de

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Ein Artikel von
Dr. Christian Strehk
Kulturredaktion

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