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Basta la vista, baby

Kieler Woche: Gewaltig leise Basta la vista, baby

Es ist nur a-cappella, doch man mag es: Während die Wise Guys schon im Begriff sind, für immer die Stimmlippen zu schließen, präsentiert sich Basta auf der Krusenkoppel in Kiel vital wie eh und je.

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Alle zwei Jahre gerne gehörte Gäste bei „Gewaltig leise“ auf der Krusenkoppel: Basta.

Quelle: cst

Kiel. „Ich hab’ mich geschämt – und nicht erzählt, dass ich auch noch a-cappella sing’ ...“, quietscht Werner Adelmann betörend ins Mikro: Nicht nur sein Song "Cool", nach wie vor in Rhythmus-Staffelung und Background-Atmosphäre einer der stärksten von Basta überhaupt, mogelt sich von der CD "Fünf" ins neuere "Domino"-Paket. Überhaupt überzeugt der Gewaltig-leise-Mix auf der Krusenkoppel.

Da begegnet man einem lebendig pulsierenden Organismus, in dem sich die Solo-plus-Vier-Künstler manchmal erheiternd sogar immer noch selber gegenseitig zu überraschen scheinen. Während zum Beispiel das scheidende Mitglied Thomas Aydintan an der Rampe bei sich selbst slapstickartig die Luft ablässt, gibt es hinter der Bühne nämlich tatsächlich diskursives Getuschel, als ob der stets charmant anmoderierte Show-Ablauf jeweils spontan (um)entschieden wird.

 Domino vom Herbst 2014 bildet, leicht im Tracking umgestellt, den Leitfaden, veräppelt die Vorband-Kultur, versenkt kunstvoll den Kleinen Gondoliere und Reinhard Mey in den Untiefen des Klischeeschlamms, suhlt sich in mönchischer Spielsucht-Blasphemie oder gibt Männern Überlebenstipps in einer zunehmend verweiblichten Welt.

 Grandios ist, wie Band-Mastermind William Wahl, formerly known as William Wahl, auf hohem Fis den Prince-Kiss hinputzt – als wäre das Falsett gesangstechnisch ein Nix. Großartig auch, wie der „neue“ Bass Arndt Schmöle jedwedes Tschingderassa der Mundhöhle hindengelt, obwohl er doch virtuos a-rhythmisch als Der Mann, der keine Beatbox konnte denunziert wird.

 Es ist nur a-cappella, doch man mag es: Während die Wise Guys schon im Begriff sind, für immer die Stimmlippen zu schließen, präsentiert sich Basta vital wie eh und je. Und wer selber mal versucht hat, mit fünf mehr oder weniger durchgeknallten Typen (es sind ja unvermeidlich immer auch Tenöre darunter ...) Männerquintette zu singen, ist besonders dankbar, dass sich sogar diese abgekochten Profis mit ihren Ritz auf Ritz sitzenden Intervallkonstellationen live mal die Close Disharmony leisten. Da brauch’ nur ein René Overmann ausnahmsweise einen minimal klemmigen Abend zu erwischen.

 Die knapp 2000 begeisterten „App-Deppen“ im steilen Halbrund, die willig mitgrölen und –pfeifen oder das Sternenmeer der Gefühle mit ihren Smartphones anstelle des retro-analogen Feuerzeugs visualisieren, drängen wie die fünf Jungs zum zweiten Feuerwerk des Abends, wo es noch einmal richtig krachen soll. Deshalb genügen wohl auch nur zwei Zugaben. Dass die glorreichen Fünf dabei passend zum Drei-zu-null-Abend ihre hörbar schon für die WM in Südafrika komponierte Jogi-Löw-Hymne aktualisieren, wie sie zuvor schon die AfD anstelle der FDP als eine der mückenähnlichen Schöpfungspanne Gottes angepasst hatten, zählt zu den I-Tüpfelchen eines heiteren Abends.

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