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"Nennt es einfach Hard Rock"

Berliner Band Kadavar im Kieler Orange Club "Nennt es einfach Hard Rock"

Nur oberflächlich betrachtet hat ihr Stil einen Bart, wie auch die drei Mitglieder von Kadavar. Seit sechs Jahren tummelt sich das Berliner Trio im weiten Feld des erdigen Hard Rock mit festem Fokus auf die späten 60er und frühen 70er Jahre. Drei Alben gehen bislang auf das Konto der Band.

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Kadavars Höhenflug hält an: (v. li.) Christoph „Tiger“ Bartelt, Christoph „Lupus“ Lindemann und Simon „Dragon“ Bouteloup.

Quelle: Mittendrin

Kiel. Das Debüt Kadavar (2012) war mehr als nur ein Achtungserfolg, die Erstauflage allein durch Vorbestellungen vergriffen. Der Nachfolger Abra Kadaver stieg 2013 auf Platz 42 der deutschen Charts ein, das jüngste Album Berlin 2015 auf Platz 18. Heute wollen Kadavar im Orange Club ihren Ruf als mitreißender Live-Act festigen.

 Last Living Dinosaur heißt ein delikat kerniger Song vom neuen Album, aber in der Tradition der ausgestorbenen Riesenechsen sehen sich Kadavar stilistisch keineswegs. „Nee“, sagt Sänger und Gitarrist Christoph „Lupus“ Lindemann im Telefoninterview und lacht, „das war da eher so ’ne Metapher für Menschen, die mit sich selbst nicht im Reinen sind und den Wandel der Zeit nicht mitbekommen, einfach stehengeblieben sind in ihrer Entwicklung und deswegen aussterben.“ Definitiv nicht ausgestorben ist jedenfalls die musikalische Ausrichtung von Kadavar, die sich an Veteranen wie Pentagram, Hawkwind und Black Sabbath ebenso orientiert wie neuerdings auch an Grand Funk Railroad, MC5 und The Stooges. Etliche Stiletiketten wurden den drei Berlinern schon aufgeklebt, darunter Doom Metal, Proto Metal, Space Rock, Psychedelic Rock, Stoner Rock, Krautrock ... aber letztlich ist es doch einfach Hard Rock, oder? „Ja. Ich hatte nie Lust zu sagen, ich mache jetzt diese eine spezielle Musik. Es ist wichtig, sich da nicht selber zu limitieren und immer weiterzuentwickeln.“ Verbreitete Vorhaltungen wie „Hipster“ oder „Epigonen“ juckten ihn nicht. „Wir haben einen relativ großen Abstand dazu, man sitzt halt einfach im Proberaum und macht Musik“.

 Vor allem die ewigen Black-Sabbath-Vergleiche waren Lupus, Christoph „Tiger“ Bartelt (Schlagzeug) und Simon „Dragon“ Bouteloup (Bass) leid und ließen das neue Album erstmals von einem externen Mixer aufnehmen, vom Pop-affinen Schweden Pelle Gunnerfeld (The Hives, Moneybrother). Der Vergleich mit den Metal-Urvätern hinke zwar, aber Karten für das Berliner Konzert im Juni auf Black Sabbaths letzter Tour hat Lupus sich natürlich schon besorgt. „Ich werde da auf jeden Fall hingehen, weil ich sie noch nie gesehen habe. Wir haben aber auch Festivals im Sommer, wo wir am selben Tag spielen. Beim Hellfest in Frankreich, irgendwas in Schweden und irgendwas in Dänemark.“ Eine Chance auf eine Begegnung mit Black Sabbath sieht er allerdings nicht. „Solche Bands sind abgeschottet, die hängen ja auch nicht backstage ab, sondern im Hotel.“

 Auch international haben sich Kadavar bereits einen guten Ruf erspielt, etwa in den USA, Lateinamerika, Australien und zuletzt in Russland. Wie fühlt es sich denn an, wenn fast 10000 Kilometer von Berlin entfernt im Plaza Condes in Mexiko-Stadt beim ersten Ton Band und Publikum vor Energie explodieren, wie auf einem leicht verwackelten Video-Mitschnitt auf Youtube zu bewundern? „Mexiko und Südamerika ist das meiste an Gefühlen in unserer Bandgeschichte, was da je vom Publikum und von uns reingelegt wurde“, wirkt Lupus noch heute fasziniert, auch von diesem Konzert: „Wir waren an dem Abend die einzige Band, saßen da mit dem Tontechniker backstage und hörten, wie langsam dieser ganze Saal zu vibrieren anfing. Dann geht man auf die Bühne, und auf einmal bricht das über einen herein.“

 Kadavar, heute, Donnerstag, 20 Uhr, Orange Club/Traum GmbH (Grasweg 19), Support: Death Alley

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