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Infernalisch zischend und sprudelnd

Von wegen Lisbeth im Orange Club Infernalisch zischend und sprudelnd

„Wir spielen jetzt unser letztes Lied“, bekundet Matz, Sänger und Gitarrist der Band Von wegen Lisbeth, nach einer guten Stunde nonchalant und setzt damit einer rauschenden Werktags-Feierabend-Party im rappelvollen Orange Club ein ziemlich unwillkommenes Ende. Den lautstarken Protest des in Schweiß gebadeten Publikums kommentierte der smarte Frontman süffisant, „was sollen wir denn machen, wir haben doch erst eine Platte gemacht“.

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Immer Vollgas: Von Wegen Lisbeth

Quelle: bos: Björn Schaller

Kiel. Aber weil das Quintett aus Berlin in der Tat zwar jung ist, aber eben nicht erst seit gestern auf der Bühne steht, gab’s natürlich noch eine Handvoll der heiß ersehnten Zugaben. Darunter das krachende Kafka Luise, so etwas wie ein früher Klassiker der Band.

 Neunzig Minuten zuvor aber gab erst einmal die Kölner Formation Neufundland ihr prägnantes Kiel-Debüt. Sinnhafte Texte (Oase aus Beton) und ein schlüssiger Stilmix aus melodischem Pop, erdigem Gitarrenrock und opulenter Elektronik sorgten für ein frühes Ausrufezeichen des Abends.

 Zu flirrenden Reggae-Akkorden eröffneten Von wegen Lisbeth dann ihren Gig und ließen mit Komm mal rüber bitte keinen Zweifel, dass sie ihre Wurzeln einst in den fruchtbaren Humus von Ska und Punk trieben. Ihr Debüt-Album Grande dagegen zeigt eine breit gefächerte Stilistik und treibt das auf die Spitze, was sich zwei Jahre zuvor mit der EP Und plötzlich der Lachs so hoffnungsvoll ankündigte: Ein infernalisch zischendes und sprudelndes Gebräu aus satt krachendem (Punk-) Rock, einem verschmitzten Seitenblick (-hieb) auf den minimalistischen aber melodiestarken Casio-Pop der Neuen Deutschen Welle, einigen kräftigen Happen Dance-Floor und einem frech rotzigen, aber irgendwie lakonischen Gesang, der auch den einschlägigen Vertretern der Hamburger Schule gut zu Gesicht gestanden hätte. Die Texte sind pointiert und machen bei ihrer Prägnanz zwischen kleinen (Sushi) und großen (Der Untergang des Abendlandes) Themen keinen Unterschied. Außer vielleicht bei dem vergleichsweise verhalten tröpfelnden Lisa gaben Matze und seine brillanten Mitstreiter Doz (Gitarre), Julian (Bass), Robert (Synthie) und Julian (Schlagzeug) durchweg Vollgas und ließen sich dafür zu Recht frenetisch feiern.

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