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Flötentöne für den Sommer

SHMF: Dorothee Oberlinger Flötentöne für den Sommer

Über die Magie, die von Dorothee Oberlingers Blockflötenspiel ausgeht, ist schon viel geschrieben worden. Man weiß am Donnerstagabend im gut besuchten Schleswiger Dom also durchaus, was auf einen zukommt ...

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Blockflötenkunst in Vollendung: Dorothee Oberlinger.

Quelle: Johannes Ritter / SHMF

Schleswig. Doch dann stimmt Oberlingers Ensemble 1700 hier Johann Friedrich Faschs Konzert F-Dur für Blockflöte, Streicher und B.c. an, die Solistin bläst in das schlichte Stück Holz mit Löchern – und einem selbst bleibt die Luft weg. Auf der Basis einer faszinierenden Virtuosität verleiht sie ihrem Solopart ein ganz eigenes Leben. Dieser erscheint hier vollkommen kantabel und formt sich beinahe zu so etwas wie einer eigenen Persönlichkeit.

 Im Anschluss daran musiziert das zum Quartett geschrumpfte Ensemble Joseph Haydns Streichquartett B-Dur op. 1 Nr. 5 Hob. III:5, erbringt dabei eine souveräne Originalklang-Leistung, holt den Zuhörer dabei aber auch wieder auf die Erde zurück. Wer für die Interpretation von František Jiráneks Konzert G-Dur für Blockflöte, Streicher und B.c. die Wiederkehr der Zauberflötistin erwartet hatte, ist für einen Moment enttäuscht. Denn nun trifft als weiterer Solist des Abends Michael Schmidt-Casdorff auf das Orchester und verbindet den Klang seiner Traversflöte homogen mit ihm. Dadurch entsteht hier ein stärker kammermusikalisch geprägter Grundton der Interpretation, die deshalb in einem reizvollen Kontrast zu dem Fasch-Konzert steht. Vor der Pause präsentiert dann wieder Oberlinger eine ebenso rasante wie detailreiche Lesart von Antonio Vivaldis Konzert C-Dur RV 443 für Flautino, zwei Violinen, Viola und B.c. – funkensprühende Wunderkadenz inklusive.

 In der zweiten Konzerthälfte präsentiert das Ensemble 1700 mit Frühling und Sommer gewissermaßen das erste Halbjahr aus Antonio Vivaldis Jahreszeiten. Solche Kost wird natürlich stets gerne genommen und kurbelt überdies den Vorverkauf an. Wird hier aber nichts Außergewöhnliches geboten, kann dieser allzu oft gehörte Klassikhit auch rasch gepflegte Langeweile verbreiten. Obwohl Violinist und Konzertmeister Rüdiger Lotter und dem kleinen Orchester hier eine einwandfreie Leistung gelingt, fragt man sich nach einigen Minuten doch, ob wohl noch eine Pointe kommt. Für diese sorgt wiederum Dorothee Oberlinger, die Lotters Geigen- im Sommer überraschend um ihre Flötentöne ergänzt und sich den Solopart sodann mit ihm aufteilt. Leider heiligt der Gag dabei nicht wirklich die Mittel, denn letztendlich stehlen sich die beiden Solisten nun eher gegenseitig die Show, als dass sie zusammen einen musikalischen Mehrwert generieren könnten. Dieser wird im Konzertfinale nachgeliefert auf, in dem sich Oberlinger und Schmidt-Casdorff an ein doppeltes Telemann-Doppel wagen – in der Zwiesprache ebenso natürlich wie unbeschreiblich und genau deshalb spektakulär.

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