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Instrumente für Talente

Deutsche Stiftung Musikleben Instrumente für Talente

Das Büro hat den richtigen Ausblick: 200 Meter weiter ist im vergangenen Jahrzehnt die Elbphilharmonie hochgewachsen. Und dort spielen inzwischen Stars, die in den vergangenen 25 Jahren enorm von der gemeinnützigen Aktivität der Deutschen Stiftung Musikleben profitiert haben.

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Bis heute ein modernes Stück

Stiftungspräsidentin Irene Schulte-Hillen im Kreise glücklicher Stipendiaten.

Quelle: Deutsche Stiftung Musikleben

Hamburg. Irene Schulte-Hillen, Präsidentin der Stiftung und seit 1992 Vorstandsvorsitzende, erinnert sich noch genau, wie sie die Geigerinnen Julia Fischer und Veronika Eberle jeweils mit zwölf Jahren erstmals im Wettbewerb um die bedeutenden Leihinstrumente erlebt hat. Nun kann sie über Eberle schwärmen, die sie gerade in der Hamburger Lulu-Premiere mit Alban Bergs Violinkonzert erlebt hat, und ein bisschen berechtigten Stolz mitschwingen lassen. Denn das Vierteljahrhundert im Aufbau des Deutschen Musikinstrumentenfonds hat sie federführend begleitet, ja geprägt.

 Was in der Stiftung aus der Sorge heraus begann, keinen hochwertigen eigenen Nachwuchs für die deutschen Kulturorchester mehr zu haben, hat Schulte-Hillen aufgegriffen und fortentwickelt. Derzeit hilft die Stiftung rund 300 Stipendiaten zwischen zwölf und 30 Jahren langfristig. Flankierend zur Stipendien-Förderung von exzeptionellen Streicher-Begabungen einer Viviane Hagner oder Baiba Skride, Eckart Runge oder Wolfgang E. Schmidt, aber auch von Pianisten wie Alice Sara Ott oder Igor Levit ist der Musikinstrumentenfonds längst zur festen Größe im bundesdeutschen Kulturleben geworden. Im Fonds befinden sich hochwertige Instrumente bis hin zur Stradivari-Topklasse, die der Stiftung, dem Bund und privaten Treuhandgebern gehören. Der Chefin geht es dabei um allseitiges Vertrauen: „Uns war es gleich vom Gründungsjahr 1993 an wichtig, objektive Kriterien bei der temporären Vergabe der Instrumente zu entwickeln. Wir wollen auf keinen Fall in den Ruf geraten, dass wir nur unsere Lieblinge mit Instrumenten bedienen, die wir anderen Leuten abschwatzen.“

 Die Sammlung wächst langsam, aber sie wächst weiter, nicht nur, weil auch Instrumentenbauer Aufträge erhalten, und obwohl in der Finanzkrise auch Leihgaben von ihren Eigentümern aus dem Fonds abgezogen und notgedrungen zu Geld gemacht wurden. „Es gibt nicht mehr so viele Menschen, die sich dafür interessieren, Begabungen mit ihren ererbten Schätzen vom Dachboden oder aus dem Tresor Chancen zu eröffnen, aber es gibt sie“, so Schulte-Hillen. „Wir bemühen uns stets, im Umgang mit Leihgebern unaufdringlich zu sein. Unsere Geschäftsstelle ist so etwas wie das Scharnier zwischen den Gönnern und den jungen Instrumentalisten. Da menschelt es auch mal ziemlich. Wichtig ist, dass allen Beteiligten von Anfang an eines klar wird: Weder wir in der Geschäftsstelle noch die Leihgeber können sich aussuchen, wer das Instrument bekommt. Das bestimmt die unabhängige Jury. Und manche machen dann tatsächlich einen Rückzieher.“ Etliche Leihgeber, das beobachte die Stiftung besonders gerne, reisten ihrem „Patenkind“ aber auch begeistert zu Konzerten hinterher.

 Die Stiftung, inzwischen mit einem Kapital von über einer Million Euro gerüstet, aber gerade in einer Niedrigzinsphase dadurch keineswegs im großen Stil handlungsfähig, bezahlt ihre Förderung aus eingeworbenen Spenden. Das Einwerben bleibe ein mühsames Geschäft: „Aber wenn wir in Konzerten beispielsweise bei den Musikfesten auf dem Lande des SHMF immer wieder sichtbar machen, was wir tun, gelingt uns das.“

 Am Wochenende ist es wieder soweit: 60 Teilnehmer aus ganz Deutschland im Alter zwischen 12 und 28 Jahren dürfen vorspielen. 33 Instrumente aus den Werkstätten großer Namen wie Gagliano, Guarneri, Testore oder Vuillaume werden für bis zu zwei Jahre vergeben. Auch der Stradivari-Traum kann wahr werden: Zur Vergabe steht eine seiner Violinen aus Cremona (1703), aus dem Besitz der Bundesrepublik Deutschland.

www.deutsche-stiftung-musikleben.de

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Ein Artikel von
Dr. Christian Strehk
Kulturredaktion

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