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Im Hamsterrad des Alltags

Die Feisten im Lutterbeker Im Hamsterrad des Alltags

Früher hießen sie Ganz Schön Feist, jetzt sind sie nur noch Die Feisten. Sein neues Programm stellte das Musik-Comedy-Duo am Donnerstag, 21. Januar, im Lutterbeker vor.

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Meist singt Mathias „C.“ Zeh (links), begleitet von Rainer Schacht, hier auf einer Ukulele.

Quelle: Foto: Björn Schaller

Lutterbek. „Eigentlich sind wir nur eine kleine Pupskapelle, aber die läuft ziemlich gut“, sagte Mathias Zeh („C.“), an der Seite von Multiinstrumentalist Rainer Schacht Sänger des fulminanten A-cappella-Comedy-Duos Die Feisten, jüngst der „Hessisch Niedersächsischen Allgemeinen Zeitung“ (HNA) und stapelte damit natürlich willentlich tief. Denn wie groß die Lust des Publikums am Liedgut der aus dem ehemals gefeierten Trio Ganz Schön Feist hervorgegangenen Unruheständler ist, zeigte die die sehr gut besuchte Vorstellung ihres aktuellen programms im Lutterbeker.

 Unterm Arm trugen die beiden Musiker eine in gewisser Weise modernisierte Fassung ihres Debüt-Albums Versuchslabor, das jetzt mit dem Zusatz „-100% feist“ wieder in den Regalen steht und keine Coverversionen mehr enthält, dafür aber mit Titeln wie Fussball WM is’ alle Jahre („Fußball war mir immer schon so was von egal. Wenn ich das jetzt sage, komm ich an den Marterpfahl”), Hundewelpenfoto oder – mit grandioser Tanzeinlage von „C.“ veredelt – James B. wunderbare Neuigkeiten präsentiert.

 Am Prinzip der „kleinen Pupskapelle“, die in Wirklichkeit ein zwar kleiner, aber musikalisch ausgebuffter und textlich unerschrockener Klangkörper ist, hat sich allerdings wenig geändert. In einer stilistisch kaum greifbaren Mixtur aus Blues, Rap, Pop und Liedermacher-Ironie verwursten die beiden Musiker intelligent den ganz normalen Wahnsinn im Hamsterrad des Alltäglichen. Dabei pendeln sie unangestrengt zwischen Satire und deftigem Klamauk, immer witzig und meistens mit trefflicher Pointe (Tiger).

 Wie gewohnt begleitet Rainer Schacht seinen „C.“ gekonnt mit der Beatbox und an diversen akustischen Saiteninstrumenten von Ukulele bis Bassgitarre und macht wie beim heiß ersehnten Klassiker Ranjid auch nicht halt vor der indischen Langhalslaute Sitar. Und umgekehrt. Denn auch das ist seit drei Jahren Usus bei Konzerten von den Feisten. Rainer darf als Leadsänger ran und „C.“ muss begleiten. Das funktioniert prächtig, weil das Duo auf der Bühne wirklich eine Einheit bildet, das mit dem reinen Spaß an der Freude ebenso punktet wie mit jener musikalischen Qualität, die ohne disziplinierte Probenarbeit nicht zu haben ist.

 Wer allerdings dazu verdammt ist, im Büro seine Brötchen zu verdienen und sich Aufstiegschancen durch eine pflegende Behandlung seines Chefs erträumt, dem sei die entzückende Arbeitnehmer-Ballader Kriech nicht da rein zur Melodie des Udo-Jürgens-Hits Griechischer Wein anempfohlen. „Kriech nicht da rein / Jedem der das sieht wird übel / Lass das doch sein / Doch er nimmt den Kleiderbügel und fragt den Chef / Ob er ihm den Mantel abnehmen darf / Was für ein Schaf ...“

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