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Der Teufel und die Elfe

Mozart-Konzert der Musikfreunde Kiel Der Teufel und die Elfe

Der Teufel steckt bekanntlich in den Details. Und die hat Soyoung Yoon erstaunlich gut im Griff. Die südkoreanische Geigerin begeistert am Dienstag in der gut besuchten Nikolaikirche mit ihrer temperamentvollen Tour de Force durch Tartinis gefürchtete "Teufelstriller"-Sonate.

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Soyoung Yoon kam nach ihrem Studium an der Nationalen Universität der Künste in Seoul nach Europa, wo sie beim berühmten Lehrer Zakhar Bron ihre Studien in Köln und Zürich fortsetzt.

Quelle: Foto: www.soyoungyoon.com

Kiel. Mit drängender Intensität flattern und beben die wahnwitzigen Auszierungen des spätbarocken Meisterwerks derart, dass man sich wundert, was aus einer einzelnen Geige so alles rauszuholen ist. Richtig stark wird die rasant vorantreibende Interpretation der zierlichen Frau aber durch die empfindsamen Kontraste: Den Angriffen des Teufels setzt Yoon in der Kirche nämlich wunderschön ausgesungene, innige Choraleinwürfe entgegen und feiert so am Ende mit glühender Emphase den Sieg des Guten.

 Im Mozart-Konzert der Musikfreunde hatte die 32-jährige Solistin, die als ehemaliges Mitglied des Schweizer Stradivari Quartetts die „King George“-Stradivari von 1710 spielte, zuvor bereits im populären A-Dur-Konzert KV 219 des Namensgebers geglänzt. Ihr Mozart-Spiel ist von feiner Eleganz geprägt, leuchtet und fließt geschmeidig – bei blitzsauberer Intonation. Dass sie im richtigen Leben inzwischen als Konzertmeisterin des Basler Sinfonieorchesters tätig ist, merkt man ihrem Steuerungsvermögen der Prague Philharmonia positiv an. Die Tschechen reagieren aufmerksam und sensibel auf ihre Impulse, decken ihr Spiel nie zu.

 Und das, obwohl sie selber gerne handfest und klangmächtig zupacken, ihre Klangrede in Sachen Boccherini (ohne die Zusatzfarbe der ad-libitum-Hörner ...) und Carl Philipp Emanuel Bachs Hamburger Sinfonie G-Dur rhetorisch eher musikantisch beherzt als historisch informiert ausfällt. Obwohl der Teufel hier im Detail somit nicht so richtig zum Zuge kommt, machen die ständigen Überraschungsmomente in der Partitur des spätbarocken Bach-Sohnes und Haydn-Vorbildes trotzdem viel her.

  www.soyoungyoon.com

www.musikfreunde-kiel.de

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Ein Artikel von
Dr. Christian Strehk
Kulturredaktion

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