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Seligs Seele bleibt

Interview Seligs Seele bleibt

Sie gelten seit ihrer Gründung vor gut 20 Jahren als eine der einflussreichsten Indie-Bands Deutschlands. Jetzt ziehen Selig mit ihrem Album Die Besten 1994-2014 ein Resümee und sind damit auf Jubiläums-Tour. Nach knapp zehn Jahren Pause fand sich die Band 2007 wieder zusammen, Sänger Jan Plewka, auch als Solo-Künstler oder mit der Formation Tempeau unterwegs, ist seit 2008 wieder dabei.

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Immer noch eins: Jan Plewka (li.) und seine Mitstreiter: (unten v.li.) Leo Schmidthals und Stephan Eggert sowie (hinten v. li.) Malte Neumann und Christian Neander.

Quelle: Universal

Hamburg. Anlässlich des Konzerts am Sonnabend im MAX Nachttheater sprach unsere Zeitung mit Plewka über Wandel und Kontinuitäten.

Bei einer Werkschau wie „Die Besten 1994-2014“ liegt es nahe, an eine Art Resümee zu denken. Dennoch habt ihr die alten Songs für das Album nochmal neu aufgenommen. Ist dabei ein neuer „alter“ Selig-Sound entstanden?

Wir haben für das Album in der Tat alles nochmal Revue passieren lassen, was wir je als Selig gemacht haben. Aber es war uns zu langweilig, die Songs als „Best of“ einfach hintereinander abzuspulen, wie sie da sind. Das wäre nur ein Mixtape geworden, das sich auch jeder Fan selbst zusammenstellen könnte. Auf unserem Trip durch die Vergangenheit schien es uns besser, die Lieder nochmal in ein neues Gewand zu packen. Dabei ist eine eigentlich neue, ungemein gefühlvolle Platte entstanden, die eine ganz eigene Dramaturgie durch Hochs und Tiefs, laute und leisere Töne hat, die man auch live schlüssig umsetzen kann.

Nach der Aufnahme im Oktober hat sich Keyboarder Malte Neumann von euch getrennt. Wie hat sich das auf die Songs ausgewirkt, wenn ihr sie nunmehr nur noch als Quartett spielt?

Der Verlust des Keyboarders hat uns eher neue Möglichkeiten eröffnet, als dass er sich als Einschränkung erwiesen hätte. Auf der Bühne tauschen wir jetzt öfter die Instrumente, mal spielt Christian Neander (Gitarre), mal ich das Keyboard, oder Stephan „Stoppel“ Eggert spielt Bass statt Schlagzeug. Wir schlüpfen dadurch in immer wieder neue Rollen und sind viel flexibler geworden. Aber natürlich ändert sich der Sound durch das Fehlen der flächigen Keyboard-Passagen. Er ist um einiges rockiger als früher und noch auf dem Album. Dieser Wandel, den wir eigentlich schon mit dem Vorgänger Magma eingeleitet hatten, hat uns so gut gefallen, dass wir Malte auch nicht ersetzen werden. Wir bleiben zu Viert und machen so aus der Not eine Tugend.

Ihr habt euren Stil in den 90er Jahren mal selbst als „Hippie-Metal“ bezeichnet. Wie würdest du ihn heute beschreiben? Sind die Hippies tot oder leben sie noch?

Interessante Frage, da muss ich ein bisschen überlegen. Hmm ... ich würde sagen, unser Stil ist reicher geworden, ein Mix aus mehr Elementen, aus Pop, Punk und Rock. Hippies sind wir wohl nicht mehr, wir sind ja reifer geworden, das Stürmen und Drängen hat sich etwas gelegt (lacht). Aber dennoch ist die Seele von Selig geblieben. Das war schon bei unserer Reunion nach fast zehn Jahren Pause so. Wir bemerkten damals, dass wir trotz – oder gerade wegen – unserer Entwicklung dieselben geblieben waren. Und nur deshalb war es überhaupt sinnvoll, den Faden wieder aufzunehmen beziehungsweise neu zu knüpfen. Die Kontinuitäten zeigen sich eigentlich erst durch den Wandel, man muss sozusagen immer wieder neu anfangen, um zu bleiben, wie man ist. Insofern ist auch Die Besten nicht nur Resümmee, sondern auch ein Schlussstrich vor dem nächsten Album.

Ist das schon in Arbeit?

Ja. Gerade auf Tour hockt man ja so eng aufeinander, dass geradezu zwangsläufig neue Ideen entstehen. Wir haben da so ein Spiel nachts im Tour-Bus: Jeder darf ein Lied von einer anderen Band auflegen, das ihn gerade beeindruckt, und das ist dann Inspirationsmaterial für neue Sounds, Beats, Texte und Themen. Wir sind auf der Suche nach neuen Möglichkeiten.

Wird das dann die dritte Erfindung der Band Selig? Und wann können wir damit rechnen?

Nein, das wohl nicht. Wie gesagt, die Seele von Selig bleibt. Wir lassen uns auch Zeit damit. Wir haben noch keine Plattenfirma, nur Studios in Hamburg und Berlin und sind dadurch sehr frei, können machen, was wir wollen. Wir müssen uns nicht unter Druck setzen. Den zweiten Teil deiner Frage beantworte ich daher entsprechend entspannt (lacht): Das Album wird erscheinen, wenn es fertig ist.

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