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Was ihr Blick verrät

Ausstellung im Bunker-D Was ihr Blick verrät

Die Kieler Bildhauerin Uschi Koch hat ein Thema: der Mensch. Im Bunker-D der FH Kiel zeigtsie  jetzt eine Einzelausstellung, die auch mit ganz neuen, anderen Arbeiten bekannt macht.  

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„Zugewandt“ lautet der Titel von Uschi Kochs Werkzyklus mit Porträtköpfen und Halbfiguren.

Quelle: Foto: Marco Ehrhardt

Kiel. Die Frau mit der großen Katze auf dem Arm trägt ihre Haare zu einem Pferdeschwanz gebunden. Ernst wirkt sie, aufrecht und nachdenklich, eine Spur schmallippig vielleicht. m Profil dagegen scheint die Andeutung eines Lächelns ihren Mund zu umspielen. In jedem Fall ist sie apart, eben eine, die ihren eignen Kopf hat. Ihr Blick verliert auch in der Distanz nicht an Intensität. Uschi Kochs lebensgroße Porträtköpfe und Halbfiguren aus Betonguss haben ein Eigenleben, das zuweilen beinahe unheimlich ist. Man entgeht ihnen nicht. Nachzuprüfen ist das ab morgen im Bunker-D der Fachhochschule Kiel, der sich für die eindrucksvoll empfindsamen Arbeiten der Kieler Bildhauerin als erstaunlich geeigneter Ort erweist. Vor allem bei Tageslicht, wenn die rohen Bunkerwände mit ihrer stumpfen sandfarbenen Oberfläche mit dem Material korrespondieren, das die Künstlerin verwendet.

 Seit 20 Jahren arbeitet Uschi Koch, die Ende der Achtzigerjahre bei Jan Koblasa an der Muthesius Kunsthochschule Bildhauerei studierte, nun freischaffend. Ihr Thema? Immer der Mensch und seine Körperlichkeit, zunächst umgesetzt in wohlauskomponierten Schwarz-Weiß-Fotografien, von denen im Bunker eine Auswahl zu sehen ist. Dass darauf dann der bildhauerische Zugriff folgte, verwundert nicht, war doch die Plastizität, das Leibliche schon zuvor in den Fotografien angelegt.

 Im Bunker lassen sich solche Entwicklungen im Werk der Künstlerin fein nachvollziehen. Zudem ist die Schau so maßvoll bestückt, dass der nötige Raum bleibt, die Sockelfiguren von allen Seiten zu betrachten. Die Frau mit dem toten Vogel zum Beispiel sieht gefasst aus, im Profil dagegen wirken ihre Züge traurig. Uschi Koch geht es nicht um den einen gültigen Ausdruck als Essenz der Persönlichkeit. Sie will mit ihren Porträts Stimmungen transportieren, innere Gefühle. Fotografien liefern die Grundlage und sind auch während des Modellierens als Dokumentation einzelner Arbeitsschritte unverzichtbar. Mit Ton modellieren, mit Gips abformen und schließlich mit Beton ausgießen, das erfordert schon technisch Zeit und Geduld.

 Eine Jahr, eine Arbeit, bilanziert Uschi Koch lapidar, da sei es dringend Zeit für etwas Kleines, Schnelles gewesen. Sie kaufte sich einen Brennofen, erwarb sich mit kollegialer Hilfe das grundlegende Rüstzeug, denn die Idee, die Tierwesen von Hieronymus Bosch plastisch werden zu lassen, war schon lange da. Als Kind hatte sie in dem Bildband, der zuhause im Regal stand wieder und wieder geblättert. Und nun sind sie körperlich geworden, als Halbreliefs, handlich in der Größe und dennoch alles andere als harmlos – der blaue Nasentröter, das grünliche Krötentier oder der braune Sattelfisch, der das Messer so lässig am Gürtel trägt, und auf dessen Schwanzflosse zwei menschliche Gestalten mitreisen. Was Uschi Koch daran fasziniert? „Dass sie einfach anders sind, die realistische Physiognomie dieser Wesen ist so kraftvoll, obwohl sie doch aus der Fantasie kommen.“

www.bunker-d.de

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